Jede 4. betroffene Person entwickelt eine weitere Autoimmunerkrankung – Hintergründe und was du selbst in der Hand hast

Mit 15 Jahren bekam ich die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis. Ich war zunächst erleichtert – endlich hatte ich einen Namen für das bekommen, was mich schon so lange belastete. Was mir damals niemand gesagt hat: dass bei Hashimoto das Risiko, im Laufe des Lebens weitere Autoimmunerkrankungen zu entwickeln, statistisch erhöht ist. Diese Information hätte für mich von Anfang an einen Unterschied gemacht. Denn mit diesem Wissen hätte ich viel früher angefangen, nach Lösungen zu suchen, die nicht nur die Symptome behandeln, sondern auch den Autoimmunprozess, der im Hintergrund weiterläuft.

Genau diesen Zusammenhängen – warum das Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen bei Hashimoto erhöht ist, welche Rolle der Darm dabei spielt und was du selbst beeinflussen kannst – gehe ich in meinem Video nach. Aktualisiert: 24.04.2026 I Lesezeit: 7 Minuten

Direkt zum Video

Hier findest du die drei wichtigsten Erkenntnisse daraus – mit dem Kontext, den ich mir damals gewünscht hätte.

Was hinter dem erhöhten Risiko steckt

Etwa 25 Prozent aller Menschen mit einer Autoimmunerkrankung entwickeln im Laufe ihres Lebens mindestens eine weitere [1]. Jede vierte betroffene Person – das ist kein unwahrscheinliches Szenario, sondern eine gut dokumentierte statistische Realität.

Um zu verstehen, warum das so ist, hilft ein Blick auf das, was Autoimmunerkrankungen grundsätzlich gemeinsam haben. Bei Erkrankungen wie Hashimoto, Zöliakie, Typ-1-Diabetes oder rheumatoider Arthritis liegt das eigentliche Problem nicht in dem Organ, das angegriffen wird – also nicht allein in der Schilddrüse, dem Darm oder den Gelenken. Es liegt im Immunsystem selbst. Es reagiert fehlerhaft und greift irrtümlich gesundes Gewebe an, statt nur tatsächliche Bedrohungen abzuwehren.

Diese Fehlsteuerung entsteht durch eine Kombination aus zwei Faktoren:

  1. Eine genetische Veranlagung. Bestimmte Genvarianten machen das Immunsystem grundsätzlich anfälliger für solche Fehler und diese Anfälligkeit ist nicht organspezifisch. Sie betrifft das gesamte System. Wer also die genetische Grundlage für eine Autoimmunreaktion mitbringt, trägt ein erhöhtes Risiko nicht nur für eine einzige Erkrankung [2].
  2. Umwelt- und Lebensstilfaktoren spielen eine entscheidende Rolle dabei, ob und in welchem Ausmaß sich dieses Risiko manifestiert [3].

Der zweite Faktor macht Hoffnung, denn Umwelt- und Lebensstilfaktoren lassen sich beeinflussen. Was das konkret heißt, schauen wir uns in Abschnitt 3 genau an.

Fast zwei Jahrzehnte lang habe ich auf die Standardbehandlung vertraut – Hormontabletten, regelmäßige Kontrolltermine, im Laufe der Jahre mehr Hormontabletten. Was dabei konstant blieb, war das Gefühl, dass mein Körper gegen mich arbeitet. Der Grund dafür liegt im Ansatz der Behandlung selbst. Die Standardtherapie gleicht das Hormondefizit aus – also das, was die Schilddrüse durch den Angriff des Immunsystems nicht mehr herstellen kann. Das ist ein wichtiger und notwendiger Beitrag, aber die Fehlsteuerung im Immunsystem, die diesen Angriff überhaupt erst auslöst, bleibt dabei unberührt. Und weil die genetische Anfälligkeit für solche Fehlreaktionen nicht auf ein einzelnes Organ beschränkt ist, bleibt auch das Risiko bestehen, dass weitere Strukturen im Körper zum Ziel werden.

Erkenntnis 1: Das Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen lässt sich nicht vollständig ausschalten, denn die genetische Veranlagung bleibt. Aber es kann beeinflusst werden – durch einen Ansatz, der nicht nur Symptome behandelt, sondern auch die Faktoren in den Blick nimmt, die das Immunsystem dauerhaft belasten.

Warum der Darm dabei eine zentrale Rolle spielt

Wenn das Immunsystem das eigentliche Thema ist, stellt sich die Frage: Wo sitzt das Immunsystem eigentlich? Die Antwort überrascht viele. Ein großer Teil unserer Immunzellen ist eng mit dem Darm verbunden. Das macht Sinn, wenn man bedenkt, welche Aufgabe der Darm hat. Er ist die größte Kontaktfläche unseres Körpers zur Außenwelt. Täglich muss das Immunsystem dort unterscheiden, was in den Körper aufgenommen werden darf – Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe – und was abgewehrt werden muss.

Die Darmschleimhaut bildet dafür eine selektive Barriere, die eng mit dem Immunsystem zusammenarbeitet. Gerät diese Barriere aus dem Gleichgewicht – zum Beispiel durch eine ungünstige Ernährungsweise, chronischen Stress, Infektionen oder andere Belastungen – kann sich auch die Immunregulation verändern. Mediziner beschreiben diesen Zustand als intestinale Permeabilitätsstörung (umgangssprachlich auch als Leaky Gut bekannt). Die Barriere wird durchlässiger und Partikel, die eigentlich im Darm bleiben sollten, gelangen in den Blutkreislauf.

Das Immunsystem reagiert entsprechend mit Abwehr. Hält dieser Zustand dauerhaft an, ist das Immunsystem im permanenten Alarmzustand. Und ein Immunsystem unter Dauerstress macht Fehler. Es kann die Toleranz gegenüber körpereigenem Gewebe verlieren – was bei Erkrankungen wie Hashimoto genau das Problem ist, das im Hintergrund läuft. Das bedeutet nicht, dass eine gestörte Darmbarriere automatisch eine Autoimmunerkrankung verursacht. Aber sie kann ein wichtiger Faktor sein, der ein ohnehin empfindlicheres Immunsystem zusätzlich destabilisiert.

Erkenntnis 2: Der Darm ist ein zentraler Ort, an dem das Immunsystem täglich arbeitet und damit auch ein zentraler Ort, an dem seine Regulation beeinflusst werden kann. Eine gesunde Darmbarriere ist kein Detail, sondern das Fundament.

Welche Faktoren du selbst beeinflussen kannst

Nicht alle Risikofaktoren lassen sich verändern. Deine Gene nicht, dein Geschlecht nicht – Schätzungen zufolge sind etwa 78 Prozent aller Menschen mit einer Autoimmunerkrankung Frauen [4] – und bestimmte Infektionen, die in der Vergangenheit liegen, auch nicht. Das Epstein-Barr-Virus zum Beispiel, das die Forschung heute mit mehreren Autoimmunerkrankungen in Verbindung bringt, haben die meisten Menschen unbemerkt durchgemacht.

Es gibt aber Faktoren, bei denen du sehr wohl aktiv werden kannst und die direkt auf das Immunsystem und die Darmgesundheit Einfluss nehmen. Diese Faktoren sind nicht isoliert voneinander, sie wirken zusammen. Deine Ernährung beeinflusst die Darmbarriere. Der Zustand der Darmbarriere beeinflusst das Immunsystem. Chronischer Stress beeinflusst sowohl die Darmfunktion als auch die Immunregulation. Schlafmangel tut dasselbe und zu wenig oder zu intensive Bewegung kann in einem bereits belasteten System zusätzlich destabilisieren statt zu stärken.

Genau deshalb greift ein Ansatz, der nur an einem dieser Punkte ansetzt, oft nicht weit genug. Das Autoimmunprotokoll – kurz AIP – verbindet diese Faktoren. Ernährung, Darmgesundheit, Schlaf, Stressmanagement und Bewegung werden als zusammenhängendes System betrachtet, nicht als getrennte Baustellen.

Es ist ein strukturierter Rahmen, der mir nach fast zwei Jahrzehnten gezeigt hat, dass ich mehr Einfluss auf meine Gesundheit habe, als mir je erklärt wurde. Nach sechs Wochen konnte ich zum ersten Mal meine Hormondosis reduzieren. Der Brain Fog ließ nach. Mein Schlaf wurde besser. Zeichen, dass sich etwas in meinem System grundlegend verschoben hatte.

Ich berichte das nicht, um Ergebnisse zu versprechen – individuelle Verläufe unterscheiden sich. Ich berichte es, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, jahrelang nicht zu wissen, dass es diese Hebel überhaupt gibt. Mir hat dieses Wissen unheimlich weiter geholfen, auf meinem Weg hin zu mehr Lebensqualität. Ich habe wieder Energie für Beruf, Familie, Träume und Abenteuer.

Erkenntnis 3: Ernährung, Darmgesundheit, Schlaf, Stressmanagement und die richtige Form der Bewegung wirken nicht isoliert – sie beeinflussen gemeinsam, ob dein Immunsystem in Balance bleiben kann oder im Alarmmodus verharrt.

Wenn du tiefer einsteigen möchtest – in das, was das AIP konkret ist und wie es in der Praxis aussieht – dann bist du bei diesen beiden Artikeln genau richtig. Du musst das nicht alleine herausfinden.

Häufige Fragen zu Hashimoto und weiteren Autoimmunerkrankungen

Welche Autoimmunerkrankungen treten am häufigsten gemeinsam mit Hashimoto auf?

Das ist die Frage, die mir Betroffene mit am häufigsten stellen. Hashimoto tritt besonders häufig gemeinsam mit Zöliakie, Typ-1-Diabetes, dem Sjögren-Syndrom und rheumatoider Arthritis auf. Das bedeutet nicht, dass du eine dieser Erkrankungen entwickeln wirst. Aber es unterstreicht, warum es so wichtig ist, den Autoimmunprozess als Ganzes im Blick zu behalten und nicht nur die Schilddrüse.

Wie merke ich, dass sich eine weitere Autoimmunerkrankung entwickelt?

Neue oder veränderte Symptome, die sich von deinen gewohnten Hashimoto-Beschwerden unterscheiden, können ein Hinweis sein. Dazu gehören zum Beispiel anhaltende Gelenkschmerzen, trockene Augen oder Schleimhäute, ungewohnte Verdauungsbeschwerden oder Hautveränderungen. Regelmäßige Blutuntersuchungen und ein offenes Gespräch mit deinem Behandlungsteam sind hier der wichtigste Schritt, denn viele Veränderungen zeigen sich in den Blutwerten, bevor Symptome spürbar werden.

Muss ich das Autoimmunprotokoll (AIP) lebenslang machen?

Nein. Das AIP ist kein Lebensstil für immer, sondern ein strukturierter Prozess mit einer Eliminationsphase und einer anschließenden Wiedereinführungsphase. In der Wiedereinführung findest du heraus, welche Lebensmittel du individuell gut verträgst und welche nicht. Das Ziel ist langfristig eine möglichst nährstoffreiche, für dich persönlich verträgliche Ernährung, kein dauerhafter Verzicht. Mehr dazu findest du im Artikel zum AIP im Praxistest.

Quellenverzeichnis

(1) Cojocaru M, et al. Multiple autoimmune syndrome. Maedica (Bucur). 2010 Apr;5(2):132–4. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3150011/
(2) Cotsapas C, et al. Pervasive Sharing of Genetic Effects in Autoimmune Disease. 2011 Aug. https://doi.org/10.1371/journal.pgen.1002254
(3) Kumar M, et al. (2025) Autoimmune disease: genetic susceptibility, environmental triggers, and immune dysregulation. Front. Immunol. https://doi.org/10.3389/fimmu.2025.1626082
(4) Fairweather D, Rose NR. Women and autoimmune diseases. Emerg Infect Dis. 2004 Nov;10(11):2005–11. doi: 10.3201/eid1011.040367

Dieser Inhalt dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Er ersetzt nicht die Konsultation eines Arztes oder Heilpraktikers. Individuelle Ergebnisse können variieren.

N E W S L E T T E R

Profitiere von Infos, Rezepten, exklusiven Inhalten und Aktionen!

Über die Autorin Sabrina Bergmann

20 Jahre lebte ich mit Hashimoto, bevor ich verstand, dass meine Schilddrüse trotz Medikamenten immer weiter an Funktion verliert, solange der autoimmune Prozess dahinter nicht deutlich vermindert wird. Brain Fog, chronische Erschöpfung, das Gefühl, von meinem eigenen Körper im Stich gelassen zu werden – das war meine Normalität.

2017 kam der Wendepunkt: Ich entdeckte das Paleo Autoimmunprotokoll und nahm meine Gesundheit in die eigenen Hände. Heute geht es mir besser denn je.

Auf Hashimoto & Co. teile ich meine Erfahrungen und das Wissen, das ich mir über Jahre angeeignet habe – als Mentorin für Menschen mit Autoimmunerkrankungen, die bereit sind, die Ursachen hinter autoimmunen Prozessen zu verstehen und ihre Vitalität zurückzugewinnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert