Mein Leben mit Hashimoto Thyreoiditis nach 12 Monaten Anwendung des Paleo-Autoimmunprotokolls (AIP)

Volle 12 Monate habe ich nun nach dem Paleo-Autoimmunprotokoll gelebt. Wow! Kaum ein Jahr hat für mich so viele und auch weitreichende Veränderungen mit sich gebracht, vielleicht abgesehen vom Geburtsjahr meiner Tochter. In diesem Artikel berichte ich über meine persönlichen Erfahrungen aus diesem spannenden Jahr.

Für mich bedeutet das einerseits, zurückzublicken und mir bewusst zu machen, was sich alles verändert hat. Viel zu viele Dinge nimmt man so schnell für selbstverständlich hin und misst ihnen zu Unrecht kaum noch Bedeutung bei. Andererseits möchte ich dir auf deiner persönlichen Suche nach Wegen zu einer besseren Gesundheit mit meinen Erfahrungen Mut machen, Erkenntnisse teilen und dir dabei helfen, die richtigen Entscheidungen für dein Gesundheitsmanagement zu treffen.

Rückblick

Bevor ich vom Autoimmunprotokoll erfahren habe, war mir gar nicht recht bewusst, in welcher körperlichen Verfassung ich war. Bleierne Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Stimmungsschwankungen, dazu Verdauungsbeschwerden und ein ständiges Frieren waren Normalität für mich. Ich kannte es ja nicht anders.

Die Diagnose Hashimoto Thyreoiditis bekam ich schon sehr früh im Leben. Doch erst nach 20 Jahren habe ich mich gefragt, warum die Dosis meiner Medikamente im Laufe der Zeit ständig erhöht werden musste und gleichzeitig meine Schilddrüse immer kleiner wurde.

Als ich genügend Wissen hatte um festzustellen, dass meine Medikamente lediglich meine Schilddrüsenunterfunktion ausglichen, nicht aber die Ursachen behandelten, war ich geschockt. Ich fühlte mich von meinen Ärzten betrogen und allein gelassen zugleich.

Fest entschlossen mich nun selbst um meine Gesundheit zu kümmern und alle notwendigen Informationen in Erfahrung zu bringen, begann ich zu recherchieren. Die ersten Ergebnisse waren wenig ermutigend. Autoimmunerkrankte tragen ein hohes Risiko im Laufe ihres Lebens weitere Autoimmunkrankheiten zu entwickeln. Noch so eine schockierende Nachricht.

Doch mit den Publikationen amerikanischer Wissenschaftler und Betroffener erhielt ich wertvolle Informationen, die mir Hoffnung gaben und Mut machten. Mit wissenschaftlichen Methoden und einem ganzheitlichen Ansatz könne es gelingen, geschwächte Organe zu entlasten, Nährstoffdefizite auszugleichen und den Angriff des Immunsystems auf den eigenen Körper zu reduzieren. Selbst eine Remission, das vollständige Abklingen aller autoimmun bedingter Symptome, sei möglich. Ich hing am Haken!

Einen vielversprechenden Ansatz in Richtung Behandlung von Autoimmunerkrankungen entdeckte ich in Form des Paleo-Autoimmunprotokolls. Und so begann im März 2017 meine Reise zu mehr Lebensqualität und einer besseren Gesundheit.

Wie gesund bin ich heute, nach 12 Monaten mit dem AIP?

Es fällt mir nicht ganz leicht zu entscheiden, mit welchem Punkt ich anfangen soll. Eine der auffälligsten Veränderungen für mein persönliches Wohlbefinden und auch für meine Familie ist mein verändertes Schlafbedürfnis. Vor dem Start des AIPs brauchte ich regelmäßig 10 bis 12 Stunden Schlaf. Statt erholt zu sein fühlte ich mich danach oft noch immer müde und erschöpft. Diese Symptome sind ganz typisch für eine Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto.

Heute wache ich nach 7 bis 8 Stunden, meist noch vor dem Klingeln des Weckers, auf. Ich fühle mich dann wach, ausgeruht und freue mich auf den neuen Tag. Das hat einen unschätzbaren Wert für mich. Früher habe ich beispielsweise häufig das Frühstück am Wochenende einfach verschlafen. Heute nehme ich wieder vollständig am Familienleben teil.

Von amerikanischen Autoren liest man im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen häufig von Brain Fog. Lange habe ich mich gefragt, was das sein soll. Während der Eliminierungsphase gab es dann erste und wieder vergehende Momente, in denen ich das Gefühl hatte, jemand hätte einen Schleier vor meinem Gesicht weggezogen. Die Welt wirkte dadurch farbiger, irgendwie realer.

Rückblickend sage ich gerne, es war vorher wie Watte im Kopf zu haben. Erst jetzt kann ich mit dem Begriff Brain Fog etwas verbinden. Das hätte ich früher so gar nicht benennen können und mir war auch nicht bewusst, dass auch ich davon betroffen war. Heute ist dieses Gefühl vollständig verschwunden. Ich bin klar, wesentlich wacher und fühle mich voller Energie. Damit habe ich das Gefühl wieder mitten im Leben zu stehen. Das möchte ich nicht mehr missen!

Meine Verdauung hat sich ebenfalls sehr verbessert. Vor dem AIP litt ich häufiger unter Übelkeit, Bauchschmerzen, Krämpfen und manchmal auch unter Durchfällen. Diese Beschwerden sind komplett verschwunden, sofern ich nicht gerade versuche, ein weiteres Lebensmittel wieder einzuführen. Wenn eine Unverträglichkeit vorhanden ist, bemerke ich es in jedem Fall. Meine anfänglichen Zweifel, ob ich eine Reaktion meines Körpers überhaupt wahrnehmen würde, waren mehr als unbedarft. Ja, man spürt es deutlich!

Ich zeige keinerlei Symptome eines Leaky Gut mehr. Durch Bluttests habe ich regelmäßig meinen Zonulin-Wert bestimmen lassen. Dieser Marker für eine erhöhte Durchlässigkeit des Darms ist bei mir seit Monaten durchweg unauffällig. Damit kann ich nun davon ausgehen, dass mein Darm wieder seine natürliche Barrierefunktion erfüllt, mein Immunsystem weniger stark gefordert ist und ich wichtige Nährstoffe aus der Nahrung wieder besser aufnehmen kann. Leaky Gut gilt als eine maßgebliche Ursache für die Ausprägung von Autoimmunerkrankungen.

Seit der Anwendung des Autoimmunprotokolls habe ich keine unreine Haut mehr. So startet mein Tag am frühen Morgen also schon beim ersten Blick in den Spiegel viel angenehmer. Das ist einerseits natürlich ein Ausdruck besserer Gesundheit, aber natürlich auch wichtig für mein Selbstwertgefühl.

Durch den wissenschaftlichen Ansatz des Autoimmunprotokolls habe ich gelernt, nicht nur auf mein Bauchgefühl im wahrsten Sinne des Wortes zu hören. Statt dessen lasse ich regelmäßig mein Blut auf Mineralstoffe, Vitamine, Fettsäuren und sogar Schwermetalle untersuchen. Alles wichtige Komponenten für die Wiederherstellung einer vollständigen Gesundheit. Den Blick nur auf ein einzelnes Organ zu richten wäre zu kurz gegriffen.

Mit den Blutbildern erhalte ich ganz klare Informationen darüber was meinem Körper fehlt. Eine sehr wichtige Erkenntnis war für mich in diesem Zusammenhang, dass solche Defizite selbst durch sehr konsequente Ernährungsumstellung nicht immer ausgeglichen werden können. Dann sind Nahrungsergänzungsmittel unumgänglich und auch für mich wurden sie wichtige Unterstützer. Mit den Blutbildern bin ich in der Lage, den Erfolg eingesetzter Supplements und deren Dosierung zu überprüfen. Auf diese Art konnte ich viele meiner Blutwerte aus der Unterversorgung heben.

Mit dem Autoimmunprotokoll habe ich die Verteilung meiner Makronährstoffe neu ausgerichtet. Mein ganz persönliches Optimum habe ich mit einer Zusammensetzung von zirka 50 Prozent Fett, 35 Prozent Eiweiß und nur 15 Prozent Kohlenhydraten gefunden. Am besten geht es mir, wenn ich meine Kalorien auf 3 Mahlzeiten am Tag aufteile.

Mein Körpergewicht hat sich auch mit der hohen Fettzufuhr nicht verändert. Da mein Gewicht ziemlich optimal ist, bin ich auf der anderen Seite auch froh darüber, im AIP kein Gewicht verloren zu haben.

Meine große Motivation zur praktischen Umsetzung des Paleo-Autoimmunprotokolls war und ist eine Remission meiner Hashimoto Thyreoiditis. Dieses Ziel habe ich nach einem Jahr noch nicht erreicht. Aber ich konnte die tägliche Dosis meines Schilddrüsen-Medikamentes bereits um 20 Prozent reduzieren. Das finde ich sehr beachtlich und motiviert mich sehr, den eingeschlagenen Weg fortzuführen.

Wie hat sich meine Welt in 12 Monaten AIP verändert?

Die Umstellung der Ernährung war mit dem Autoimmunprotokoll ohne Zweifel weitreichend. Heute habe ich dabei keinerlei Gefühl von Entbehrung mehr. Vielmehr fühlt sich für mich die Ernährung im AIP jetzt ganz normal an. Das ist nicht zuletzt auch einem erweiterten Wissen um alternative Nahrungsmittel und Rezepte geschuldet.

Ich finde es faszinierend, wie sehr wir uns nur allzu oft vor Veränderungen und Umbrüchen im Leben scheuen. Die Angst vor vermeintlichem Verzicht und Verlust von Lebensqualität sitzt tief. Wer jedoch einmal einen Entschluss fasst und ihn konsequent umsetzt stellt schnell fest, dass Ungewohntes bald zur Normalität wird. Die persönliche Komfortzone richtet sich neu aus. Ich habe einmal gelesen dieser Prozess würde 66 Tage dauern, eine Zeitspanne die lange hinter mir liegt.

Grundsätzlich haben sich meine Bedürfnisse verändert. So habe ich anfangs viel öfter als heute noch den Wunsch nach einem Brot gehabt. Trotz sehr schmackhafter alternativer Rezepte backe ich heute jedoch nur noch sehr selten AIP-konformes Brot. Ich vermisse es schlicht nicht. Statt dessen gibt es sehr viel mehr Gemüse, auch zum Frühstück. Das wäre vor dem AIP schwer für mich vorstellbar gewesen.

In allem hat sich eigentlich sehr schnell eine Routine eingestellt. Sobald klar war wo welche Lebensmittel zu bekommen sind und wie man daraus leckere Gerichte macht, fühlte sich alles ganz normal an. Ich kann mein Essen wirklich genießen und habe sogar Spaß daran gefunden neue Rezeptideen zu entwickeln. Das habe ich definitiv nicht erwartet und genieße es daher umso mehr.

Besonders glücklich bin ich darüber, dass auch Freunde und Familie meinen veränderten Ernährungsstil akzeptieren. Mehr noch, sie erkennen die positiven Auswirkungen auf mein Leben, unterstützen mich tatkräftig und probieren sogar selbst das eine und andere aus. Bei Familienfeiern oder Geburtstagen werden die Gerichte heute ganz selbstverständlich für mich angepasst. Dieser Rückhalt von den Menschen, die mir nahestehen, ist wunderbar und enorm hilfreich.

Insgesamt habe ich so viele wunderbare Erfahrungen mit dem Autoimmunprotokoll gemacht, so viel über meinen Körper und dessen Bedürfnisse gelernt und damit so sehr meine persönliche Welt erweitert und bereichert, dass es den Rahmen dieses Artikel mehr als sprengen würde.

Aus diesem Grunde ist er lediglich der Auftakt für eine ganze Artikelserie, die ich in den kommenden Wochen veröffentlichen werde. Darin werde ich detaillierter über die Themen Wiedereinführung von Lebensmitteln, Schlaf, Stressmanagement, Achtsamkeit und Bewegung schreiben. Natürlich wirst du auch erfahren, wie es auf meiner Reise weitergeht.

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

2 thoughts on “Mein Leben mit Hashimoto Thyreoiditis nach 12 Monaten Anwendung des Paleo-Autoimmunprotokolls (AIP)”

  1. Liebe Sabrina, sehr beeindruckend, Dein Bericht hier! Überhaupt gefallen mir Eure Beiträge immer sehr gut. Sie sind sachlich, informativ, wertschätzend und hilfreich. Ich bin HP, lese Eure Informationen gerne und gebe sie ebenso gerne und oft an Autimmunbetroffene weiter.
    Nur eine Überlegung: Du bist noch nicht in Remssion, schreibst Du. Gehen Deine Antikörper denn runter? Nimmst Du ein wenig Jod? Und wird Deine Schilddrüse weiter kleiner? Wenn noch Restgewebe funktiontüchtig ist, sollte das natürlich optimal gepflegt werden. Event. ist es eine Idee, das Hormon nach Bedarf zu nehmen. Bei viel Stress mehr, in Ruhe (Wochenende) gar nichts. So ist es ja auch normalerweise; die Schilddrüse arbeitet auf Bedarf. Vielleicht bist Du auf diese Idee auch schon selber gekommen.
    Weiterhin alles Liebe und viel Erfolg!!!!!! Herzliche Grüße aus dem Ruhrgebiet

    1. Liebe Beate,

      herzlichen Dank für deinen freundlichen Kommentar. Ich freue mich sehr, dass unsere Informationen auch für deine Patienten hilfreich sind. Tatsächlich habe ich noch ausreichend viel Schilddrüsengewebe. Wie dieses sich funktionell und volumenmäßig weiter entwickeln wird ist eine der Fragestellungen, an denen wir mit Spannung arbeiten. Sobald wir dahingehend Erkenntnisse gewinnen, werden wir diese natürlich hier veröffentlichen. Die Abschätzung eines tagesaktuellen Hormonbedarfs finden wir aufgrund der vielen Funktionsbereiche der Schilddrüse sehr schwierig. Deinen Ansatz werden wir aber gerne einmal weiter verfolgen.
      Herzliche Grüße aus Berlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.