Meine Erfahrungen mit der Wiedereinführung von Nahrungsmitteln im AIP

Wie ich in der Wiedereinführung herausgefunden habe, welche Nahrungsmittel ich nicht vertrage und was ich bis heute alles wieder in meine Ernährung integrieren konnte

Das AIP besteht im Grunde aus zwei aufeinander aufbauenden Stufen. In der Eliminierungsphase wird über eine Zeitspanne von mindestens 30 Tagen die Ernährung stark nach den Regeln des AIP limitiert. Das kann für den Einzelnen hart sein, denn es wird in den meisten Fällen mit großen Umstellungen in der Ernährung verbunden sein. In dieser wichtigen Phase soll das Immunsystem zur Ruhe kommen, der Darm regenerieren und der ganze Körper vollständig mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt werden. Das angestrebte Ziel ist eine deutliche Verbesserung der zuvor vorhandenen Krankheitssymptome.

Im Anschluss an die Eliminierung folgt die Wiedereinführung, in der man Schritt für Schritt Nahrungsmittel auf ihre Verträglichkeit hin testet. Beim sogenannten Provokationstest nimmt man nach standardisiertem Schema ein einzelnes zuvor ausgeschlossenes Nahrungsmittel stufenweise wieder zu sich. Das klingt zunächst simpel, wirft in der Praxis aber doch einige Fragen auf.

Beispielsweise habe ich mich in der Eliminierung immer wieder gefragt, welche Art von Reaktionen ich wohl in der Provokation erwarten müsste.

Würde ich überhaupt etwas wahrnehmen? Worauf müsste ich achten? Würde meine Schilddrüse reagieren, mein Magen oder doch eher der Darm? Würde ich mich nur irgendwie unwohl fühlen oder gar intensive Schmerzen haben?

Über dieses sensible Thema findet man leider nur sehr wenige Informationen und kaum Erfahrungsberichte. Was man dagegen häufig im Internet liest, ist eine gewisse Angst von Betroffenen, die Eliminierungsphase wieder zu verlassen, da sie die Rückkehr überwundener Symptome befürchten.

Da ich schon seit vielen Jahren auf einen gesunden Lebensstil achte, erschien mir die Umstellung auf das AIP nicht so dramatisch. Mit der Aussicht auf Verbesserungen meiner Gesundheit legte ich mich darum von vornherein auf 3 Monate Elimination fest. Ich wollte es einfach schon beim ersten Versuch richtig machen und mit einem Zeitraum deutlich über 30 Tage auf Nummer Sicher gehen.

Die Beurteilung, ob ich zum Ende dieser Zeit deutlich verbesserte Krankheitssymptome hatte, viel mir bei meiner Hashimoto Thyreoiditis nicht ganz leicht. Viele gesundheitsrelevante Aspekte hatten sich für mich klar positiv verändert. Meine Autoantikörper konnte ich jedoch nicht reduzieren.

So nutzte ich schließlich den Zonulintest als Marker für Leaky Gut zu Beurteilung einer erfolgreichen Genesung des Darms. Meine Werte waren nach den 3 Monaten Eliminierung super. Ich fühlte mich gesund und fit. Also startete ich meine erste Wiedereinführung.

Meine erste Wiedereinführung hat gut funktioniert, vielleicht zu gut

Es gibt ganz unterschiedliche Kriterien für die Entscheidung, welche Nahrungsmittel man wann wieder einführt. Grundlegend orientiert habe ich mich an den Veröffentlichungen von Sarah Ballantyne und Eileen Laird. Ihre Empfehlungen haben René und ich zur besseren Übersicht und Verständlichkeit in ein Schema zur Wiedereinführung transformiert.

Unser Schema zeigt dir eine detaillierte Anleitung zur Wiedereinführung von Nahrungsmitteln nach abgeschlossener Eliminationsphase, entsprechend den Vorgaben des Autoimmunprotokolls (AIP). Es führt dich Schritt für Schritt durch den Provokationstest.
Unser Schema zeigt dir eine detaillierte Anleitung zur Wiedereinführung von Nahrungsmitteln nach abgeschlossener Eliminationsphase, entsprechend den Vorgaben des Autoimmunprotokolls (AIP). Es führt dich Schritt für Schritt durch den Provokationstest. Für eine hochauflösende PDF-Version klicke auf das Bild.

Für meinen ersten Provokationstest habe ich Erbsenprotein gewählt. Dabei ging es mir um eine alternative Eiweißquelle für mein Frühstück. Während der Eliminationsphase habe ich gemerkt, dass ich mit Fisch und Fleisch zur ersten Mahlzeit des Tages nicht vollständig glücklich war. Ich habe meine Auswahl also nach dem größten emotionalen Nutzen für mich getroffen.

Die ersten Stufen des Provokationstests verliefen ohne jede Symptome. Auf anfängliche Freude folgten sehr schnell Selbstzweifel und eine gewisse Unsicherheit. Verstehe ich die Signale meines Körpers überhaupt? Nehme ich wahr, wenn mir etwas nicht gut tut? Nach dem Abschluss der vollständigen Routine war ich mir dann aber doch ziemlich sicher, dass meine Wiedereinführung von Erbsenprotein erfolgreich war. Ich war erleichtert und freute mich auf den nächsten Versuch.

Mein zweiter Provokationstest hat mich regelrecht geschockt

Auch beim zweiten Versuch einer Wiedereinführung habe ich mich wegen der geringeren Wahrscheinlichkeit von Unverträglichkeitsreaktionen für ein Nahrungsmittel aus der Stufe 1 entschieden. Wieder habe ich mich gefragt, welches Nahrungsmittel mir den unmittelbar größten Nutzen bringen würde. Ich brauchte unbedingt mehr Eiweißquellen und ich vermisste Eier. Damit war die Sache klar. Furchtlos und mit sehr viel Vorfreude testete ich gekochtes Eigelb.

Diesmal musste ich mir die Frage nach der Wahrnehmung eventueller Symptome allerdings nicht stellen.

Innerhalb von 30 Minuten nach dem ersten halben Löffel Eigelb hatte ich verstanden, was mit Provokation gemeint ist. Die Reaktionen meines Körpers waren ungeahnt heftig. Ich litt unter Übelkeit und Aufstoßen. Ich hatte regelrecht eine Faust im Magen. Dazu kamen Durchfälle und eine enorme Müdigkeit.

Fassungslos und unglaublich enttäuscht musste ich den Test sofort abbrechen. Noch für Tage fühlte ich mich unwohl. Für die nähere Zukunft musste ich mich also von Eigelb verabschieden. Ich werde es aber ganz sicher später noch einmal probieren. Was heute noch eine Reaktion hervorruft, kann nach einem vorausgegangenen Heilungsprozess später durchaus vertragen werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt. 😀

Das Karussell dreht sich weiter

10 Tage nach den heftigen Reaktionen im Provokationstest fühlte ich mich wieder fit und wohl. Ich war bereit für die nächste Wiedereinführung. Die Wahl fiel diesmal auf gekochtes Eiweiß. Ich wollte Eier so sehr wieder in meine Ernährung integrieren, dass ich nicht widerstehen konnte. Nach den Erfahrungen mit dem Eigelb hätte ich lieber für eine Weile ganz die Finger von Eiern lassen sollen.

Es kam wie es kommen musste. Die Unverträglichkeitsreaktionen waren identisch mit dem Eigelb und trafen mich mit gleicher Härte. Jetzt war ich wirklich traurig und wehmütig. Ich hatte das Gefühl, ein deutliches Stück Lebensqualität verloren zu haben. Glücklicherweise konnte ich diese Emotionen aber bald abschütteln. Ein flüchtiger Gedanke an die Heftigkeit der Symptome reicht mir noch heute, um jede Lust auf Eier zu ersticken. Ich zwang mich positiv nach vorne zu blicken. Die gemachten Erfahrungen musste ich akzeptieren und als Teil meines Heilungsprozesses begreifen.

Nach der obligatorischen Pause von mehreren Tagen habe ich einen großen Sprung gewagt und mich für eine Provokation aus Stufe 4 entschieden. Diesmal war es Reis. Meine Motivation war die Aussicht auf Sushi, wenigstens hin und wieder einmal. Das ich diesmal erfolgreich war, hat mich sehr glücklich gemacht. Sei es Zufall oder eine gute Wahl gewesen, mein Selbstvertrauen hat es gestärkt, meine Lebensqualität erhöht.

Manche Symptome kommen nur schleichend oder sehr verzögert

Die Wiedereinführung von Paranüssen verlief nicht so eindeutig wie die zuvor beschriebenen. Zunächst glaubte ich, sie erfolgreich getestet zu haben. Zur besseren Selenversorgung entschied ich mich daraufhin für eine tägliche Aufnahme von zwei Paranüssen und dachte nicht mehr über mögliche Reaktionen nach.

Im weiteren Verlauf traten Gelenkschmerzen auf, vorrangig an Händen und Füßen. Da ich familiär vorbelastet bin, ließ ich mich vorsorglich auf Rheumamarker testen. Ich war wirklich beunruhigt deswegen. Die Ergebnisse waren jedoch negativ.

Bei meinen Überlegung zu möglichen Ursachen für meine Beschwerden fielen mir dann die Paranüsse wieder ein. Drei Tage nach Aufnahmestop waren meine Beschwerden abgeklungen.

Offenbar hatten sich die Symptome hier durch den täglichen Konsum sehr langsam aber stetig aufgebaut. Auch so ein Verlauf ist also möglich.

Paranüsse kann ich grundsätzlich essen, aber eben nur hin und wieder, nicht täglich und nicht in großen Mengen. Mir machte das auch noch einmal klar, dass ich mir mehr Zeit für die einzelnen Wiedereinführungen lassen sollte.

Schritt für Schritt erweitert sich die Palette

Mittlerweile habe ich schon eine ganze Reihe an Lebensmitteln erfolgreich getestet.

Zusätzlich zu den oben genannten sind das:

  • grüne Bohnen,
  • Zuckerschoten,
  • Pfeffer,
  • Senf,
  • Fenchelsamen,
  • Kardamom,
  • Butter,
  • Kakao,
  • Prosecco,
  • Kaffee,
  • Ziegenkäse und
  • Schafskäse.

Damit lässt es sich schon ganz vorzüglich leben.

Seit ich Schafskäse erfolgreich getestet habe, kann ich auch so eine Mahlzeit mit Süßkartoffel, Guacamole und Feta wieder bedenkenlos genießen. Für mich ist das ein Gewinn an Lebensqualität.
Seit ich Schafskäse erfolgreich getestet habe, kann ich auch so eine Mahlzeit mit Süßkartoffel, Guacamole und Feta wieder bedenkenlos genießen. Für mich ist das ein Gewinn an Lebensqualität.

Was ich aus meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Provokationstest gelernt habe

So bitter manche Erfahrungen bei der Wiedereinführung auch sein mögen, für mich hat die Bandbreite an Signalen zwischen Körper und Geist auch etwas Faszinierendes. Schließlich lerne ich meinen Körper immer genauer kennen.

Es gelingt mir zunehmend besser in mich hineinzuhorchen und schließlich auch die richtigen Entscheidungen für meine Gesundheit zu treffen. Das macht durchaus auch Spaß.

Was ich mittlerweile wirklich verstanden habe ist die Notwendigkeit, sich Zeit bei der Wiedereinführung neuer Nahrungsmittel zu lassen. Alles läuft wesentlich entspannter, wenn die Emotionen nicht ganz so hochgeschaukelt sind und man eher rational an die Sache gehen kann. Ich denke da eher an ein klinisches Vorgehen. Man hat einen Plan, eine Erwartungshaltung, man testet und wertet schließlich aus. Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, einen Provokationstest eben so nüchtern sehen zu können. Aber da wächst man hinein.

Ein methodisches Vorgehen ist in jedem Falle zu empfehlen. Ich beschränke mich jeweils auf nur ein neues Lebensmittel und mache mir Notizen zum Zeitpunkt und zu beobachteten Symptomen. Nur auf diese Weise gelingt es mir, auch zu einem späteren Zeitpunkt noch Rückschlüsse zu ziehen und vermeintliche Erkenntnisse zu bestätigen.

Die Angst, Symptome nicht wahrzunehmen, habe ich durch meine Erfahrungen verloren. Die Erwartung von Beschwerden bei einem neuen Test können durchaus blockierend wirken. Mir hilft der Gedanke an die Verbesserungen meiner Lebensqualität, die ich mir mit jeder neuen Provokation erhoffe, um mit diesen Ängsten umzugehen.

Macht eine Wiedereinführung überhaupt Sinn?

Die Versorgung mit Nährstoffen ist im AIP auch in der Eliminationsphase sehr gut und vollkommen ausreichend, sofern man die gesamte Bandbreite des Möglichen nutzt und die Makronährstoffe gut ausbalanciert. Wer damit seine Symptome stark verringern kann oder gar in Remission kommt wird sich vielleicht fragen, warum man überhaupt aus diesem Muster wieder ausbrechen sollte.

Für mich stellte sich die Frage nicht. Ich wollte unbedingt einige Nahrungsmittel wieder einführen, vor allem, um alternative Eiweißquellen zu haben. Nachdem ich den größten Teil meiner Provokationstest positiv abschließen konnte muss ich heute feststellen, dass ich mich im AIP jetzt sehr wohl fühle. Mir fehlt nichts. Das Bedürfnis nach weiteren Wiedereinführungen lässt nach.

Dennoch werde ich damit weitermachen. Solange man sich in seinem eigenen Mikrokosmos bewegt und alles rund um das Essen selbst kontrollieren kann, sind die Dinge relativ einfach. Doch es gibt ja noch ein Leben außerhalb der eigenen vier Wände. Freunde und Familie treffen, auswärts essen gehen und für mich ganz persönlich das Reisen produzieren schnell nicht unerhebliche Probleme.

Mit den Wiedereinführungen kann ein Stück Normalität zurück ins Leben kommen. Ich glaube, dass ist nicht nur gut für mich, sondern auch für mein soziales Umfeld.

Zum heutigen Tag bin ich jedoch der Meinung, dass ich bei weitem nicht alles testen werde. Rückblickend glaube ich bei einigen Nahrungsmitteln schon früher deutliche Unverträglichkeitssymptome gehabt zu haben, die ich aber nicht zu deuten wusste. Das trifft zum Beispiel auf Nachtschattengewächse zu. Ich sehe keinerlei Notwendigkeit, mich diesen Reaktionen wieder auszusetzen und bin auch ohne Tomaten, Auberginen etc. sehr glücklich.

Dieser Artikel hilft dir hoffentlich auf deinem Weg durch die Provokationsphase des AIP. Welche Erfahrungen hast du mit der Wiedereinführung gemacht? Schreibe mir gerne einen Kommentar dazu.

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