9 Jahre Autoimmunprotokoll: Wie ich heute mit Hashimoto lebe 

9 Jahre Autoimmunprotokoll: Wie ich heute mit Hashimoto lebe

Im März 2017 startete ich das Paleo Autoimmunprotokoll. Eine Entscheidung, die mein Leben von Grund auf verändern sollte. Fast zehn Jahre später blicke ich zurück auf eine Reise, die ich hier auf Hashimoto & Co. von Anfang an dokumentiert habe. Von der Vorbereitung über die 12 herausfordernden Wochen der Eliminationsphase bis hin zu den ersten Erfolgen nach drei und zwölf Monaten.

Damals, im Jahr 2017, über 20 Jahre nach meiner Hashimoto-Diagnose, hatte ich endlich verstanden, dass die verordneten Medikamente nur meine Symptome linderten, nicht aber die eigentlichen Ursachen behandelten. Brain Fog, chronische Erschöpfung, Verdauungsbeschwerden und ein ständiges Frieren waren meine Normalität. Von meinem eigenen Körper fühlte ich mich im Stich gelassen.

Heute, nach 9 Jahren Autoimmunprotokoll, lebe ich mit einer Lebensqualität, die ich damals kaum für möglich gehalten hätte.

Dies ist mein persönlicher und ungeschönter Erfahrungsbericht nach fast zehn Jahren AIP-Reise.

Was ist geblieben vom AIP? Was hat sich in meinem Leben verändert? Und welche Erkenntnisse aus einem knappen Jahrzehnt mit dem Autoimmunprotokoll würde ich meinem damaligen Ich heute mit auf den Weg geben? Geschrieben von Sabrina Bergmann I Lesezeit: 20 Minuten

Sabrina Bergmann heute – 9 Jahre nach dem Start des Autoimmunprotokolls
9 Jahre Autoimmunprotokoll später: Voller Energie und Lebensfreude

Rückblick: Meine 9 Jahre Autoimmunprotokoll

Der Anfang: 90 Tage Eliminationsphase

Mein Entschluss: 90 Tage Eliminationsphase. Das bedeutet, 90 Tage lang keine Eier, kein Getreide, keine Milchprodukte, keine Nachtschattengewächse, keine Hülsenfrüchte, keine Nüsse. Obwohl die Mindestempfehlung bei 30 Tagen liegt, wollte ich meinem Körper mehr Zeit geben, um sich zu erholen und gesundheitlich maximal vom AIP zu profitieren. Meinen Teilnehmerinnen im Mentoring empfehle ich heute eine sechs-wöchige Eliminationsphase. Das ist für die meisten realistisch umsetzbar und dennoch erfolgsversprechend. Um klare Erkenntnisse zu gewinnen, gibt es in dieser Zeit weder Raum für Ausnahmen noch für Verhandlungen. Die deutlichsten gesundheitlichen Fortschritte zeigen sich oft zwischen Woche vier und sechs.

Eine der ersten spürbaren Veränderungen zeigte sich in meinem Schlafbedürfnis. Von zuvor 10 bis 12 Stunden, sank mein täglicher Bedarf auf nur noch 7 bis 8 Stunden. Darüber hinaus wurde mein Kopf klar und Energie kehrte zurück. Nach drei Monaten geschah etwas, das ich zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Zum ersten Mal in 20 Jahren konnte ich meine Schilddrüsenhormon-Dosis reduzieren, um 10 Prozent. Für mich ein echter Durchbruch, denn zuvor wurde meine Dosis über Jahre hinweg stetig nach oben angepasst.

Die Re-Introphase: Mein Körper spricht mit mir

Nach der Eliminationsphase folgte die Wiedereinführung von Nahrungsmitteln (Re-Intro). Das war für mich emotional sehr intensiv. Die erste Re-Intro mit Erbsenprotein verlief für mich problemlos. Damit hatte ich nun eine alternative Eiweißquelle für das Frühstück. Erleichterung machte sich in mir breit und ich freute mich auf den nächsten Test mit Hühnereiern. Doch diesmal war es ein wahrer Schock.

Innerhalb von 30 Minuten nach dem ersten halben Löffel Eigelb hatte ich Klarheit. Mein Körper reagierte darauf mit Übelkeit, Aufstoßen und dem Gefühl einer Faust im Magen. Durchfälle und eine enorme Müdigkeit folgten. Fassungslos und unglaublich enttäuscht verbrachte ich die folgenden Tage in einem unwohlen Zustand. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich bereits, dass ich mich von Hühnereiern würde verabschieden müssen. Das bestätigte sich bei einem späteren Test mit Eiweiß vom Hühnerei. Die Reaktionen waren leider identisch.

Was die Re-Intro mich gelehrt hat

So sehr mich diese Erfahrung auch mitnahm, zeigte sie mir doch sehr eindrucksvoll, dass das Prinzip der Eliminationsdiät funktioniert. Gelernt hatte ich, dass ich Hühnereier nicht vertrage und sie in Zukunft meiden muss, um mein Immunsystem zu entlasten und gesünder zu werden. Also blieb ich dran. Die Re-Intro von Reis funktionierte problemlos. Es folgten Paranüsse. Hier lernte ich etwas Wichtiges. Zunächst glaubte ich, sie erfolgreich getestet zu haben. Täglich aß ich zwei Paranüsse zur Selenversorgung. Doch nach einigen Wochen traten Gelenkschmerzen an Händen und Füßen auf. Beunruhigt ließ ich mich auf Rheumamarker testen. Die Ergebnisse waren negativ. Also ging ich einen Schritt zurück und verzichtete wieder auf Paranüsse. Schon drei Tage später waren meine Beschwerden verschwunden. Damit lernte ich, dass manche Reaktionen erst bei regelmäßigem Konsum auftreten oder mengenabhängig sind.

Meine Erkenntnisreise ging weiter. Trotz der bitteren Erfahrung mit Hühnereiern ließ mich das Thema Ei nicht los. Auf der Suche nach Alternativen wurde ich bei Wachteleiern fündig. Diese vertrage ich wunderbar und heute sind sie als Omelette für mich ein gern gesehener Zusatz zur Proteinversorgung.

Meine Verträglichkeiten nach 9 Jahren Autoimmunprotokoll

Was ich durch die Wiedereinführungsphase über meinen Körper gelernt habe, ist heute für mich unbezahlbar. Hühnereier vertrage ich nicht, Wachteleier dagegen schon. Nüsse wie Walnüsse und Mandeln vertrage ich in Maßen, aber nicht täglich, sonst folgen Brain Fog und Gelenkschmerzen. Nachtschattengewächse wie Paprika und Auberginen habe ich gar nicht erst getestet, denn ich hatte schon vor dem AIP spürbare Probleme damit. Tomaten kann ich heute wieder in Form von Sauce zu mir nehmen. Gekochte Tomaten sind für mich verträglich, rohe dagegen nicht. Auch Ziegen- und Schafsmilchprodukte vertrage ich glücklicherweise gut. Kuhmilch löst dagegen bei mir Migräne aus. Erfolgreich wieder einführen konnte ich unter anderem Reis, grüne Bohnen, Zuckerschoten, Pfeffer, Senf, Fenchelsamen, Kardamom, Linsen, Kakao, Sesam und Kaffee. Bei einigen macht die Dosis den Unterschied. Ein Kaffee hin und wieder ist kein Problem, bei zu hohen Mengen bekomme ich Kopfschmerzen.

Jahr 1 bis 3: Routine und weitere Verbesserungen

Nach dem ersten Jahr hatte ich meine persönliche Ernährungsweise gefunden. Mein Körpergefühl hatte sich stark verbessert, meine Blutwerte stabilisierten sich. Die Hormondosis konnte ich um weitere 10 Prozent reduzieren, insgesamt also 20 Prozent weniger als vor dem AIP.

In diesen ersten drei Jahren entwickelte ich mein persönliches Ernährungskonzept weiter. Dass mir eine niedrigere Kohlenhydrataufnahme besser bekommt, lernte ich in dieser Zeit. Außerdem habe ich Intervallfasten als feste Routine integriert. Meine Wiedereinführungsphase zog sich über Monate hin, ich testete langsam und geduldig. Jeder Test brachte neue Erkenntnisse. Jedes erfolgreich wieder eingeführte Nahrungsmittel war ein willkommener Zugewinn für mehr Abwechslung in meiner Ernährung.

Jahr 4 bis 10: Vom kurzzeitigen Protokoll zum Lebensstil

Aus den Erkenntnissen der Eliminationsdiät entwickelte ich einen neuen und ganz auf mich persönlich zugeschnittenen Lebensstil. Heute esse ich nicht mehr nach starren Regeln, sondern nach dem, was mein Körper braucht und verträgt. Das AIP war das erste Werkzeug, das mir die Möglichkeit gab, meinen Körper besser zu verstehen. Zusätzlich nutze ich regelmäßig Blutanalysen, um Bedarf und Versorgung meines Körpers mit Nährstoffen, Mineralstoffen, Vitaminen und vielem mehr zu prüfen. So kann ich meine stoffliche Versorgung auf Grundlage klarer Daten bis heute immer weiter optimieren.

Unter anderem habe ich so auch festgestellt, dass ich die üblichen synthetischen Schilddrüsenmedikamente nicht effizient nutzen kann. Mein Körper kann das darin enthaltene inaktive Schilddrüsenhormon T4 nicht gut in das eigentlich aktive Hormon T3 umwandeln. Aus diesem Grund nehme ich stattdessen seit einigen Jahren NDTs, ein natürliches Schilddrüsenextrakt, welches alle natürlichen Schilddrüsenhormone enthält. Damit fühle ich mich noch mal wacher, klarer, energetischer und leistungsfähiger.

Sabrina Bergmann mit ihrem Vizsla auf einem Berggipfel in Norwegen – Aktivität dank 9 Jahren Autoimmunprotokoll
Mit meinem Vizsla auf einem Berggipfel in Norwegen

Was vom AIP geblieben ist, und was nicht

Was ich aus meiner Ernährung dauerhaft gestrichen habe

Nach den Erklärungsansätzen der funktionellen Medizin ähnelt Gluten in seiner Struktur so stark den Schilddrüsenproteinen, dass es Entzündungsprozesse stark befeuern kann. Darum verzichte ich konsequent auf Gluten und vermisse es auch nicht.

Hühnereier vertrage ich nicht. Die Reaktionen waren und sind eindeutig und heftig. Nach mehreren Versuchen habe ich es schließlich akzeptiert. Mit Wachteleiern habe ich aber einen vollwertigen Ersatz gefunden.

Paprika und Auberginen habe ich nach der Eliminationsphase gar nicht erst wieder eingeführt. Schon vor dem AIP hatte ich das Gefühl, sie nicht zu vertragen. Einordnen konnte ich es nur nicht. Heute vermisse ich sie nicht.

Erfolgreich wieder eingeführt

  • Ziegenkäse und Schafjoghurt vertrage ich gut und genieße beides regelmäßig. Kuhmilchprodukte vermeide ich weiterhin, denn sie lösen bei mir Migräne aus.
  • Wachteleier waren ein wahrer Gamechanger für mich. Als Omelette oder hartgekocht sind sie ein fester Bestandteil meiner Proteinversorgung.
  • Haferflocken, als glutenfrei deklariert, sind Bestandteil meiner Ernährung.
  • Mandeln vertrage ich in kleinen Mengen. Esse ich zu viele oder zu oft, lösen sie bei mir Brain Fog und Gelenkschmerzen aus.
  • Auch Reis habe ich erfolgreich wieder einführen können. Meine Hauptmotivation war ursprünglich die Aussicht auf ein gelegentliches Sushi. Außerdem habe ich Reis schon am Anfang meiner Re-Intro in der Kombination von Erbsen- und Reisprotein als weitere hilfreiche Proteinquelle genutzt.

Aus der Wiedereinführungsphase habe ich als wichtige Erkenntnis mitgenommen, dass Menge und Häufigkeit der Aufnahme einzelner Nahrungsmittel wesentlich für die Verträglichkeit sein können. Gelernt habe ich, auf meinen Körper zu hören und die Mengen entsprechend anzupassen.

Mein Leitprinzip

Für mich gilt heute: Einschränken nur so viel, wie unbedingt nötig.

Das AIP hat mir nicht nur aufgezeigt, was ich nicht vertrage, sondern vor allem auch, was ich problemlos essen kann oder was zumindest in Maßen funktioniert. Die Wiedereinführungsphase hat mir dabei meine individuellen Grenzen der Ernährung aufgezeigt. Dadurch verstehe ich meinen Körper heute viel besser und dafür bin sehr dankbar. Mit dem neu gewonnenen Wissen habe ich deutlich mehr Kontrolle über meine Lebensqualität und weiß dies zu meinem Vorteil zu nutzen.

Meine 5 Säulen heute

Das AIP war der Startschuss für eine umfassende Veränderung meines Lebensstils. Heute stütze ich meine Gesundheit auf fünf Säulen, die alle ineinandergreifen. Schon während meiner ersten AIP-Wochen waren mir Schlaf, Bewegung und Stressmanagement wichtig. Im Laufe der letzten Jahre habe ich die Grundsätze meines heutigen Lebensstils weiterentwickelt und noch bewusster in meinen Alltag integriert.

Säule 1: Proaktives Gesundheitsmanagement

Messen statt Raten. Das ist mein Credo.

Regelmäßige Blutuntersuchungen sind für mich selbstverständlich geworden. Sie zeigen mir, wo ich über Ernährung, Lebensstil oder Nahrungsergänzungsmittel weiter optimieren kann. Dazu gehört auch, die generelle Wirksamkeit von Supplementen zu prüfen und die Einnahmemengen bedarfsgerecht anzupassen. So investiere ich nicht in wirkungslose Präparate und nehme wirklich zielführende Mengen ein.

Hormone und Schilddrüse

Die synthetische Schilddrüsenmedikation konnte ich bis 2018 um 20 Prozent reduzieren. Solche Präparate basieren auf dem inaktiven Schilddrüsenhormon T4. Es muss im Körper erst noch in die wirksame Form T3 umgewandelt werden. Durch Blutanalysen konnte ich feststellen, dass ich eine Umwandlungsstörung für diesen Prozess habe. Darum nehme ich seit einigen Jahren natürliche Schilddrüsenextrakte (NDT). Sie versorgen meinen Körper vollständig und ich fühle mich damit leistungsfähiger.

Darmgesundheit und Entzündungswerte

Durch Blutanalysen habe ich eine Permeabilitätsstörung der Darmwand nachweisen können. Man nennt sie auch Leaky-Gut-Syndrom. Es tritt sehr häufig bei Autoimmunerkrankungen auf und hat entscheidenden Einfluss auf Symptomatik und Ausprägung. Heute ist mein Darm gesund, ein Leaky Gut nicht mehr nachweisbar.

Meine Entzündungsmarker haben sich im Vergleich zu 2017 deutlich verbessert. Die Blutwerte meiner Mineralstoffanalysen sind seit Jahren stabil. Dies habe ich durch eine bewusst nährstoffreiche Ernährung und durch gezielte, bedarfsorientierte Nahrungsergänzung erreicht.

Schwermetallbelastung und Proteinquellen

Zum AIP-Start im Jahr 2017 habe ich zur Proteinversorgung sehr stark auf den Verzehr von Fisch gesetzt. Das hat mir leider innerhalb kürzester Zeit eine sehr hohe Blutbelastung mit dem Schwermetall Quecksilber eingebracht. In der Konsequenz daraus esse ich heute nur noch sehr selten Fisch und achte darauf, nur kleine und kurzlebige Fischarten zu konsumieren, die weniger belastet sind.

Meine Hashimoto-typischen Schilddrüsen-Autoantikörper sind nach wie vor vorhanden, aber sie sind gesunken. Eine vollständige Remission, wie ich sie mir noch 2017 erhofft hatte, ist nicht eingetreten. Dennoch: Meine Lebensqualität ist heute besser als je zuvor und darauf kommt es letztendlich an.

Meine Philosophie lautet: Unabhängigkeit durch Wissen. Heute stelle ich mein eigenes Blutlabor zusammen und interpretiere die Werte selbst. So habe ich Autonomie über meine Gesundheitsdaten. Inzwischen habe ich auch eine Ärztin gefunden, die mich unterstützt und mit der ich auf Augenhöhe kommunizieren kann.

Säule 2: Artgerechte, nährstoffdichte Ernährung

Meinen heutigen Ernährungsstil nenne ich nutrivore. Das bedeutet, ich setze auf Nahrungsmittel mit hoher Nährstoffdichte.

Dabei achte ich auch auf eine ausreichende Proteinzufuhr. Autoimmunerkrankte haben einen erhöhten Bedarf. Außerdem treibe ich durch meine gute Verfassung auch wieder regelmäßig Sport und achte auf eine gute muskuläre Ausprägung. Für den Muskelaufbau und auch für den Muskelerhalt bis ins hohe Alter ist eine bedarfsgerechte Proteinversorgung ebenfalls sehr wichtig.

Auch bei der Auswahl meiner Lebensmittel gilt Qualität vor Quantität. Bio ist mein Mindeststandard, Fleisch stammt aus artgerechter Haltung oder ist selbst gejagt. Fast alle Speisen bereite ich selbst zu. Unverarbeitete Lebensmittel bilden die Basis.

Kohlenhydrate und Intervallfasten

Meine Kohlenhydrataufnahme ist im Vergleich zur deutschen Standardernährung eher sehr niedrig. In meiner persönlichen Definition ist die Standardernährung aber eine High Carb Ernährung. Entsprechend betrachte ich meinen Kohlenhydratkonsum als normal niedrig.

Intervallfasten ist fest in meinen Alltag integriert. Meist esse ich um 19 Uhr die letzte Mahlzeit und breche das Fasten circa 14 Stunden später mit meinem heiß geliebten Matcha Latte. Den reichere ich mit Ziegenmilchprotein, Collagen und Kokosmus zu einer sehr nahrhaften Variante an. Meine erste feste Mahlzeit nehme ich dann zum Mittag ein.

Sabrina Bergmanns nährstoffreicher Matcha Latte mit Ziegenmilchprotein und Collagen für Intervallfasten
Matcha Latte – nährstoffreich und so gut

Inzwischen nutze ich wieder eine große Vielfalt an Nahrungsmitteln. So sollte es auch sein, denn die Eliminationsphase des AIP ist ganz klar als zeitlich begrenzte Diät mit einem definierten Zweck konzipiert. Aber die Basis bleibt für mich bestehen. Das heißt, ich achte auf ausreichend gesunde Fette, genügend Protein und eine überschaubare Menge Kohlenhydrate, überwiegend in Form von Obst, Gemüse und Porridge. Da bin ich dann auch mit Ballaststoffen gut versorgt.

Säule 3: Schlaf und Regeneration

Vor dem AIP benötigte ich 10 bis 12 Stunden Schlaf und war trotzdem erschöpft. Heute schlafe ich 7 bis 8 Stunden und wache ausgeruht auf, in der Regel noch vor dem Wecker.

Feste Schlafenszeiten machen für mich den Unterschied. Routine ist alles. Auf gute Schlafhygiene achte ich ebenso: ein kühles und dunkles Zimmer. Kein Koffein nach 12 Uhr. Starke Beleuchtung am Abend vermeide ich. Wann immer möglich, genieße ich ein heißes Bad vor dem Schlafengehen.

Erkannt habe ich, dass Schlaf entscheidend für die Erholung des Immunsystems und die Zellregeneration ist. Darum hat guter Schlaf für mich einen hohen Stellenwert.

Säule 4: Bewegung und aktive Erholung

Seit etwa zwei Jahren mache ich wieder regelmäßig Krafttraining. Wir haben uns zuhause ein kleines Mini Home Gym eingerichtet. Häufig trainiere ich nur mit meinem eigenen Körpergewicht. Calisthenics hat es mir sehr angetan und ich arbeite fleißig an meinen Handstand-Qualitäten.

Mein Mann René und ich haben uns in einem Fitnessstudio kennengelernt, trainieren aber beide heute lieber zu Hause in unseren eigenen vier Wänden oder noch viel lieber in der Natur. Lange Spaziergänge mit unserem Vizsla gehören zum Alltag. Mit diesem 30 kg Energiebündel wäre ich vor zehn Jahren gar nicht klargekommen. 🙂

Drei bis vier Mal pro Woche trainiere ich etwa 30 Minuten lang Kraft mit Calisthenicsübungen wie Handstandvariationen und mit Sandbags. Dazu mache ich Mobility-Training mit Yoga und Dehnübungen. Einmal pro Woche fahre ich außerdem Indoor Spinning als VO2max Training. Täglich gehe ich spazieren mit unserem Hund und nehme im Alltag jede Treppe.

Infografik: Entwicklung Körperfettanteil und Muskelmasse bei Sabrina Bergmann nach 9 Jahren Autoimmunprotokoll
Messbarer Fortschritt: Weniger Körperfett, mehr Muskelmasse

Mein Körperfettanteil ist dadurch gesunken und die Muskelmasse deutlich gestiegen. Auch im Kontext mit meinen heute 43 Jahren bin ich sehr stolz darauf. Selbst mein sehr anspruchsvoller (und selten lobender) Personal-Trainer-Ehemann meint, ich wäre noch nie so gut in Form gewesen. Das geht natürlich runter wie Öl. 🙂 Der Erhalt und Ausbau meiner Muskulatur ist mir heute auch in Bezug auf gesundes Altern und Longevity sehr wichtig.

Säule 5: Mentale Balance und soziale Verbindungen

Regelmäßig meditiere ich 10 bis 15 Minuten oder praktiziere Yoga Nidra. Zeit in der Natur beim Waldspaziergang oder Schwimmen im See gibt mir Energie. Bewusst nehme ich mir Pausen und Regenerationszeiten.

Soziale Beziehungen, die mir nicht guttaten, habe ich gehen lassen und fokussiere mich stattdessen auf Menschen, die mit meinen Werten im Einklang stehen. Auch hier gilt für mich Qualität vor Quantität. Starke soziale Bindungen sind ein oft unterschätzter Faktor für ein langes, glückliches und gesundes Leben. Es lohnt sich also, dafür zu arbeiten.

Was ich heute anders machen würde

Nach fast zehn Jahren mit dem AIP gibt es auch einiges, das ich aus heutiger Sicht anders angehen würde.

So würde ich beispielsweise nicht mehr 90 Tage in die Elimination gehen. Das habe ich damals gemacht, weil ich unbedingt alles „richtig“ und perfekt machen wollte. Heute vertrete ich den Standpunkt, dass 30 bis 60 Tage Elimination ausreichen können. Rückblickend bin ich auch der Meinung, dass eine gute Vorbereitung über Erfolg und Misserfolg des Autoimmunprotokolls entscheiden kann. Die Re-Intro-Phase ist genauso wichtig wie die Elimination. Sie gibt dir die Freiheit zurück.

Mehr Geduld bei der Re-Intro

Persönlich würde ich mir mehr Geduld und Ruhe bei der Re-Intro verordnen. Nach meinem ersten erfolgreichen Test mit Erbsenprotein war ich euphorisch und wollte sofort weitermachen. Bei Paranüssen lernte ich dann, dass manche Reaktionen erst durch regelmäßigen Konsum entstehen. Heute rate ich zu ausreichend Zeit zwischen den Tests.

Proteinquellen breiter aufstellen

Aufgrund meiner Erfahrungen mit Schwermetallbelastungen würde ich zu wenig Fischverzehr raten. Wichtig finde ich eine breitere Palette an Proteinquellen in Form von Rind, Wildfleisch und besonders auch von Innereien wie Leber. Davon hätte ich in der Frühphase des AIPs deutlich profitieren können.

Früher wieder mit Krafttraining starten

Aus heutiger Sicht würde ich noch früher wieder mit dem Krafttraining starten. Während des AIPs habe ich mein Training reduziert, um mein Immunsystem zu entlasten. Das war auch richtig so. Direkt im Anschluss an die Eliminationsphase hätte ich das Krafttraining aber wieder aufnehmen können. Muskelaufbau ist essenziell für ein langes und gesundes Leben.

Was ich dagegen ganz genauso wiederholen würde, ist die Beachtung der genannten fünf Säulen. Von Anfang an waren mir Schlaf, Bewegung und Stressmanagement wichtig. Du kannst das in meinen detaillierten Wochenberichten noch einmal nachlesen. In Woche 1 schrieb ich über meine täglichen Fußwege, mein Fitnesstraining und die Zeit mit meiner Familie. In Woche 2 notierte ich bewusst, wie ich meinen Schlaf verbessere und Stressmomente entschärfe. Der ganzheitliche Ansatz war von Beginn an Teil meiner Reise. Über die Jahre habe ich ihn stetig weiterentwickelt.

Mein Rat an dich

Das AIP ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Du musst nicht alles perfekt machen. Du musst nicht 90 Tage durchziehen. Du musst nicht alle Lebensmittel testen. Finde deinen eigenen Rhythmus.

Die Re-Intro ist dein Weg zur Gewissheit und gibt dir ein tiefes Verständnis für deinen eigenen Körper. Ohne diese Phase würdest du dich dauerhaft einschränken. Sie zeigt dir, was du nicht verträgst und was du problemlos essen kannst. Das ist großartig und darum gut investierte Zeit.

Gesundheit ist mehr als Ernährung. Auch Schlaf, Bewegung, Stressmanagement und soziale Bindungen sind enorm wichtig. Wenn du nur auf Ernährung setzt, wirst du das Puzzle nicht komplett zusammensetzen können.

Setze auf konkrete Daten. Messen statt raten. Blutwerte sind objektiv und geben dir eine Richtung. Sie zeigen dir, ob dein Weg funktioniert oder ob du etwas anpassen musst. Investiere in regelmäßige Blutbilder.

Wenn du täglich nur 1 Prozent mehr in deine Gesundheit investierst, summiert sich das über Wochen, Monate, Jahre. Nicht durch einen gewaltigen Kraftakt, sondern durch Kontinuität. So erzielst du einen kumulativen Effekt.

Perfektion ist nicht das Ziel. Es geht vielmehr um die Richtung. Kleine Schritte. Jeden Tag ein bisschen mehr hin zu einem gesünderen, erfüllteren Leben.

Fazit: 9 Jahre Autoimmunprotokoll

Das AIP hat mein Leben verändert, aber nicht so, wie ich es 2017 erwartet hatte.

Eine Remission habe ich nicht erreicht. Meine Antikörper sind immer noch da, wenn auch gesunken. Meine Schilddrüse braucht nach wie vor Unterstützung.

Aber ich lebe heute ein Leben, das ich damals nicht für möglich gehalten hätte. Energie habe ich. Klarheit habe ich. Lebensfreude habe ich. Und ich habe die Werkzeuge, um meine Gesundheit selbst in der Hand zu haben.

Das AIP war für mich nicht die Zielgerade. Es war der Startschuss.

Es zeigte mir, dass mein Körper heilen kann, wenn ich ihm die richtigen Bedingungen gebe. Es brachte mir bei, in meinen Körper hineinzuhorchen. Es gab mir die Freiheit, selbst zu entscheiden, was ich esse und wie ich lebe.

Heute, fast zehn Jahre später, lebe ich nach dem Prinzip: So wenig wie möglich einschränken, aber so viel wie eben nötig.

Das Schönste an dieser Reise: Sie hört nie auf. Noch immer verändere ich Dinge. Noch immer lerne ich dazu. Noch immer spüre ich, wie sich die kleinen Entscheidungen positiv summieren.

Die Vision von der Remission meiner Hashimoto-Erkrankung hat sich weiterentwickelt zu einer viel größeren, nämlich der Vision von einem außergewöhnlich langen Leben in Gesundheit. Ich lebe diese Vision schon heute. Sie kann auch deine sein!

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Autoimmunprotokoll

Für wen ist das Paleo Autoimmunprotokoll (AIP) geeignet?

Das AIP wurde für Menschen mit Autoimmunerkrankungen entwickelt – wie Hashimoto-Thyreoiditis, rheumatoide Arthritis, Lupus, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Multiple Sklerose oder Psoriasis. Viele nutzen es aber auch bei unklaren chronischen Beschwerden, um herauszufinden, welche Nahrungsmittel sie nicht vertragen.

Die Realität: Viele Frauen mit Autoimmunerkrankungen fühlen sich von der Schulmedizin nicht ausreichend unterstützt. Das AIP gibt dir ein Werkzeug an die Hand, mit dem du selbst aktiv werden kannst – unabhängig davon, ob du aktuell einen guten Arzt hast oder nicht. Es ersetzt keine medizinische Behandlung, aber es ermächtigt dich, deine Gesundheit in die eigenen Hände zu nehmen. Du lernst, auf deinen Körper zu hören und zu verstehen, was ihm guttut und was nicht.

Das AIP ist nichts für dich, wenn du nach schnellen Lösungen suchst. Es erfordert Zeit, Geduld und die Bereitschaft, dich intensiv mit deiner Ernährung und deinem Körper auseinanderzusetzen. Aber wenn du bereit bist, diesen Weg zu gehen, kann es dein Leben verändern.

Nehmen Autoimmunerkrankungen wirklich zu?

Ja, die Zahlen steigen. Studien zeigen, dass Autoimmunerkrankungen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen haben (z.B. Lerner et al. 2015). Die Gründe sind komplex und vielschichtig. Unsere moderne Ernährung mit hochverarbeiteten Lebensmitteln, Zusatzstoffen und einem hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren spielt eine Rolle. Umweltfaktoren wie Pestizide, Schwermetalle und endokrine Disruptoren belasten unser Immunsystem. Chronischer Stress, Schlafmangel und Bewegungsmangel tragen ebenfalls dazu bei. Das Paleo Autoimmunprotokoll (AIP) setzt genau hier an, indem es die Ernährung als Stellschraube nutzt.

Wie lange dauert es, bis ich Verbesserungen spüre?

Das ist sehr individuell. Manche spüren schon nach wenigen Wochen im AIP deutliche Veränderungen, andere benötigen länger. Bei mir zeigten sich die ersten Erfolge nach etwa 4 Wochen (besserer Schlaf, mehr Energie). Die Hormondosis konnte ich nach 3 Monaten reduzieren. Wichtig: Gib dir Zeit und sei geduldig mit deinem Körper.

Muss ich für immer so eingeschränkt essen?

Nein, ganz klar nein. Das ist ein häufiges Missverständnis.

Die Eliminationsphase des AIP ist zeitlich begrenzt. Sie dient dazu, dem Körper eine Atempause zu geben und das Immunsystem zu beruhigen. Aber sie ist nicht als dauerhafte Ernährungsform gedacht.

Nach der Eliminationsphase folgt die Wiedereinführung. Hier testest du systematisch, welche Nahrungsmittel du verträgst. Viele Menschen können nach dieser Phase einen Großteil der ausgeschlossenen Lebensmittel wieder essen. Manche in vollem Umfang, manche in Maßen.


Hast du weitere Fragen zum Autoimmunprotokoll? Schreib mir gerne in die Kommentare oder per E-Mail. Ich freue mich immer, von dir zu lesen und zu erfahren, an welchem Punkt deiner Reise du gerade stehst.

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Über die Autorin Sabrina Bergmann

20 Jahre lebte ich mit Hashimoto, bevor ich verstand, dass meine Schilddrüse trotz Medikamenten immer weiter an Funktion verliert, solange der autoimmune Prozess dahinter nicht deutlich vermindert wird. Brain Fog, chronische Erschöpfung, das Gefühl, von meinem eigenen Körper im Stich gelassen zu werden – das war meine Normalität.

2017 kam der Wendepunkt: Ich entdeckte das Paleo Autoimmunprotokoll und nahm meine Gesundheit in die eigenen Hände. Heute geht es mir besser denn je.

Auf Hashimoto & Co. teile ich meine Erfahrungen und das Wissen, das ich mir über Jahre angeeignet habe – als Mentorin für Menschen mit Autoimmunerkrankungen, die bereit sind, die Ursachen hinter autoimmunen Prozessen zu verstehen und ihre Vitalität zurückzugewinnen.


Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine medizinische, therapeutische oder ernährungstherapeutische Beratung dar. Es ersetzt nicht die Konsultation eines Arztes oder Heilpraktikers. Individuelle Ergebnisse können variieren. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an dein Behandlungsteam.

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