Fisch und Meeresfrüchte sind wichtige Lebensmittel für das Autoimmunprotokoll.

Was ist das Autoimmunprotokoll (AIP), für wen ist es geeignet und wie hilft es Unverträglichkeiten, Allergien oder Autoimmunerkrankungen zu lindern und aktiv zu managen? In diesem Beitrag erhältst du Antworten.

 

Das Autoimmunprotokoll (AIP) ist eine Anleitung zur Durchführung einer Ausschluss-Diät. Ziel ist es also, alle Substanzen aus der Ernährung zu verbannen, welche den eigenen Körper potentiell schädigen könnten. Auf diese Weise sollen ernährungsbedingte Erkrankungen aufgedeckt werden. In der Folge lassen sich unerkannte, unbehandelte oder falsch therapierte Erkrankungen gezielt behandeln. Dabei werden oft überwältigende Verbesserungen bis hin zur Remission, also dem vollständigen Abklingen aller krankheitstypischen Symptome, erzielt.

Im Fokus des Autoimmunprotokoll stehen vorwiegend Substanzen, die das körpereigene Immunsystem aktivieren. Sie lösen also Entzündungsreaktionen aus. Im Besonderen geht es beim AIP um den Ausschluss von Stoffen, die den Darm schädigen könnten.

Alle Nahrungsmittel mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit negativer Einflussnahme werden für einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten kategorisch aus der Ernährung verbannt. Bis zum Erreichen einer vollständigen Remission kann es unter Umständen aber auch notwendig sein, das AIP über mehrere Jahre anzuwenden. Keine leichte Aufgabe!

Sobald die zuvor vorhandenen Beschwerden vollkommen abgeklungen sind, werden einzelne Nahrungsmittel wieder stufenweise eingeführt. In einer Beobachtungsphase von 1-2 Wochen überprüft man daraufhin, ob die neu eingeführten Stoffe Körperreaktionen auslösen. In diesem mühsamen aber notwendigen Prozess ermittelt man schließlich die problemauslösenden Komponenten. Sie gilt es dann konsequent zu meiden. Gleichzeitig erweitert man das Nahrungsspektrum wieder um alle als unbedenklich getesteten Nahrungsmittel.

So vielfältig wie die Arten möglicher Symptome und Krankheitsbilder sind, so individuell und einzigartig ist im Ergebnis des erfolgreich durchgeführten  Autoimmunprotokolls die resultierende „optimale“ Ernährungsform. Einhundert Prozent individuell und nur für eine einzige Person vollständig zielführend.

Für wen ist das Autoimmunprotokoll (AIP) geeignet?

Vor allem Personen, die an Autoimmun-Erkrankungen oder Allergien leiden, nutzen die Herangehensweise des Autoimmunprotokoll. Das sind allein in Deutschland mehrere Millionen Betroffene. Aber auch Menschen, die einen gesünderen Lebensstil praktizieren und ihren Körper auf diese Weise auf eine gesunde Ausgangsbasis zurückführen möchten, wenden das AIP an.

Wie erzielt man die besten Ergebnisse mit dem AIP?

Mit der konsequenten Umsetzung des Autoimmunprotokoll streben die Anwender eine optimale Versorgung des Organismus mit allen notwendigen Nährstoffen an. Gleichzeitig sollen potentiell schädigende Substanzen in der Nahrung ausgeschlossen werden. Ziel ist es, den Körper von entzündungsfördernden Stoffen zu befreien und ähnlich wie einen Computer neu hochzufahren.

Nach erfolgreicher Durchführung des AIP und gegebenenfalls deutlicher Verbesserung zuvor bestehender Symptome, werden Nahrungsmittel mit geringem Reaktionspotential stufenweise wieder in die tägliche Nahrung integriert. Durch das begleitende Führen eines detaillierten und lückenlosen Ernährungstagebuchs lassen sich Reaktionen des Körpers auf unterschiedlichste Nahrungsmittel feststellen. Nahrungsmittel welche dem eigenen Körper fühlbar und messbar nicht gut tun, können identifiziert und in der Folge eliminiert werden.

Eine Ausschluss- oder Eliminations-Diät durchzuführen ist für die meisten Menschen sehr aufwändig und natürlich stark einschränkend. Um möglichst viele Informationen aus der Diät zu erhalten, solltest Du daher gut vorbereitet und vor allem konsequent sein! Es geht darum, in der Folge ein besseres Leben mit weniger oder gar ganz ohne Beschwerden leben zu können. Das sind hohe Ziele! Dein Körper ist sehr komplex und es ist schwer, äußere Einflüsse und ihre Wirkungen zu ermitteln und gezielt zu steuern.

Das Autoimmunprotokoll soll deinen Körper hinsichtlich der Nahrung von möglichst vielen negativen Reizen befreien und ihm damit die Möglichkeit zur Regeneration gegeben. In der Konsequenz verbieten sich also „kleine Sünden“. Was nicht im Einklang mit dem AIP steht, wird nicht gegessen. So wirst Du erfolgreich sein!

Die vier Säulen des Autoimmunprotokoll

Säule 1: Die Nährstoffdichte

 

Unverarbeitete Lebensmittel wie Obst und vor allem Gemüse, aus ökologischem Anbau, bilden die Grundlage für das Autoimmunprotokoll. Nährstoffreich & gesund.

Als Nährstoffdichte bezeichnet man das Verhältnis von Nährstoffen auf der einen Seite zum Energiegehalt eines Nahrungsmittels auf der anderen Seite. Je mehr Nährstoffe pro Mengeneinheit ein Nahrungsmittel enthält, desto wertvoller ist es.

Dabei kommt es neben den Makronährstoffen Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen auch besonders auf die Mikronährstoffe an, also auf Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe.

Ein Beispiel:

Eine Kiwi enthält neben Kohlenhydraten in Form von verdaulichen Zuckern und unverdaulichen Ballaststoffen auch geringe Mengen Protein, vor allem aber nennenswerte Mengen der Vitamine A, B1, B2, B3, C und Beta-Carotin. Abgerundet wird das Ganze durch die Mineralien Natrium, Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium und Eisen. Der Energiegehalt von 100g ist mit 61 kcal dagegen relativ klein. Kiwis sind also wahre Nährstoffbomben.

100g einer Butterbrezel liefern dagegen 19g Fett, 42g Kohlenhydrate, 6g Eiweiß und 366 Kalorien. Damit hat die Brezel nur eine geringe Nährstoffdichte.

Eine ungleiche oder mangelhafte Nährstoffversorgung beeinträchtigt das Immunsystem, verhindert Heilungsprozesse und fördert damit vorhandene Autoimmunerkrankungen.

Säule 2: Die Darmgesundheit

Unser Darm ist von einer Vielzahl unterschiedlicher Bakterien besiedelt, der sogenannten Darmflora. Sie entscheidet über Gesundheit oder Krankheit, Wohl oder Übel.

Unser Darm ist ein hochkomplexes Ökosystem. Seine bakterielle Besiedelung entscheidet über Wohl und Übel. Auch hier gibt es noch viel Forschungsbedarf. Klar ist aber, eine bakterielle Fehlbesiedelung steht oft am Anfang einer Autoimmunerkrankung.

Ohne gesunde Bakterienflora geht es nicht! Im Normalfall bilden die Bakterien auf der Darmschleimhaut eine weitere schützende Schleimschicht, die Mucosa. Gleichzeitig verhindern sie durch ihre Präsenz eine Besiedelung durch schädliche Bakterien oder Pilze. Zusätzlich stellen unsere gesunden Darmbakterien mit Fettsäuren auch noch Nahrung für unsere Darmschleimhautzellen bereit.

Die Darmschleimhaut bildet die Barriere zwischen dem Darminhalt und dem Blutkreislauf. Ist sie beschädigt, kann sie diese Barrierefunktion nicht mehr ausüben. Es entstehen Lücken in der Abwehrmauer. Den Zustand eines undichten Darm bezeichnet man als Leaky Gut Syndrom. Fremdstoffe gelangen durch die undichten Schleimhautareale in den Organismus, was sofort Abwehrreaktionen des Immunsystems in Form von Entzündungsreaktionen auslöst.

Haben diese Fremdstoffe Ähnlichkeit mit körpereigenen Strukturen, dann kann es zu Verwechselungen kommen. Das Immunsystem greift nun irrtümlich auch die eigenen Zellen an und die Autoimmunkrankheit ist da.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen inzwischen den Zusammenhang zwischen Leaky Gut Syndrom und Autoimmunerkrankungen wie Rheuma (Morbus Bechterew, rheumatoide Arthritis), Schuppenflechte (Psoriasis), Neurodermitis, Reizdarm, Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS), Diabetes Typ 1, Zöliakie, Multiple Sklerose und weiteren.

Das Autoimmunprotokoll hilft, Nahrungsmittel zu vermeiden, die den Darm in seiner Funktion beeinträchtigen oder schädigen könnten. Alle im AIP empfohlenen Nahrungsmittel sollen die natürliche Darmflora unterstützen und die Wiederherstellung einer normalen Darmfunktion bzw. deren Aufrechterhaltung befördern.

Säule 3: Die Hormon-Regulation

Hormone steuern alle wichtigen Regelkreisläufe in unserem Körper.

Hormone sind wichtige Botenstoffe unseres Körpers. Sie steuern über die Kommunikation mit den unterschiedlichsten Drüsen sämtliche Regelkreisläufe des Körpers.

So sind etwa die Schilddrüsenhormone für den Stoffwechsel, den Kreislauf und das Wachstum verantwortlich. Die Nebennierenhormone steuern neben dem Mineralstoffwechsel auch den Wasserhaushalt. Darüber hinaus wirken sie als Stresshormone. Die Bauchspeicheldrüse reguliert über die Freisetzung von Insulin und Glucagon den Blutzucker.

Diese elementaren Abläufe lassen sich von außen beeinflussen, positiv wie negativ! Insbesondere die Art und Menge der aufgenommenen Nahrungsmittel spiel hier eine große Rolle. Aber auch Faktoren wie Uhrzeit und Häufigkeit der Nahrungsaufnahme, die Menge und Qualität an Schlaf, Bewegung, Sonnenlicht und natürlich das Ausmaß an Stress in jeder Form beeinflussen unser Hormonsystem. Stresshormone wiederum haben unmittelbaren Einfluß auf unser Immunsystem.

Die durch das Autoimmunprotokoll empfohlenen Nahrungsmittel sollen die Wiederherstellung einer ausbalancierten Hormonsituation fördern oder diese erhalten.

Säule 4: Das immunologische Gleichgewicht

Alles im Gleichgewicht!

Das Autoimmunprotokoll gibt Hilfestellung für die Wiederherstellung eines immunologischen Gleichgewichts. Dazu ist es notwendig, eine gesunde Darmflora wiederherzustellen und in ausreichender Zahl zu etablieren. Kann die Darmschleimhaut schließlich ihre Schutzfunktion wieder vollständig erfüllen, sind alle Mikronährstoffe vorhanden um das Immunsystem optimal zu unterstützen und ist das hormonelle System ausbalanciert, dann ist auch das immunologisches Gleichgewicht wieder hergestellt.

Auf diese Nahrungsmittel und Wirkstoffe musst du während der Durchführung des Autoimmunprotokoll (AIP) verzichten:

 

  • Getreide
  • Hülsenfrüchte
  • Milchprodukte
  • Raffinierte Zucker
  • Raffinierte Öle
  • Eier
  • Nüsse
  • Samen
  • Nachtschattengewächse und davon abgeleitete Gewürze
  • Nahrungsmittel mit potentieller Kreuzreaktion auf Gluten
  • Alkohol
  • Nicht-steroidale Entzündungshemmer
  • Kalorienfreie Süßstoffe
  • Sämtliche Lebensmittelzusatzstoffe

 

Was bleibt da noch zu essen? Mehr als du glaubst!

 

Das kannst Du nach dem Autoimmunprotokoll (AIP) bedenkenlos essen:

 

  • Innereien wie Herz, Leber, Niere, Zunge
  • Knochen- und Fleischbrühe
  • Fleisch aus Weidehaltung und Grasfütterung von Bison, Büffel, Elch, Hirsch, Känguru, Pferd, Rind, Reh, Rentier, Schaf, Schwein, Wildschwein und Ziege
  • Geflügel wie Ente, Gans, Huhn, Pute, Rebhuhn, Strauß, Wachtel
  • Fisch wie Aal, Anchovis, Dorade, Dorsch, Forelle, Goldbarsch, Hering, Heilbutt, Karpfen, Kabeljau, Makrele, Rotbarsch, Rotzunge, Sardellen, Sardine, Snapper, Scholle, Seelachs, Seezunge, Tilapia, Wildlachs und Zander
  • Meeresfrüchte wie Austern, Calamares, Eismeergarnelen, Flusskrebs, Hummer, Jakobsmuscheln, Krabben, Languste, Muscheln, Oktopus und Shrimps
  • Meerwasseralgen wie Arame, Dulse, Kombu, Nori und Wakame
  • Gemüse wie Artischocken, Bambussprossen, Blumenkohl, Brokkoli, Brunnenkresse, Chinakohl, Fenchel, Grünkohl, Gurke, Karotten, Kohlrabi, Kopfsalat, Kürbis, Lauch, Mairüben, Mangold, Maniok, Okra, Oliven, Pak Choi, Pastinake, Petersilienwurze, Pfeilwurzel, Pilze, Radicchio, Radieschen, Rettich, Rhabarber, Rosenkohl, Rote Beete, Rotkraut, Romanesco, Salat, Schalotten, Sellerie, Spargel, Spinat, Spitzkohl, Steckrübe, Süßkartoffel, Taro, Topinambur, Weißkraut, Wirsing, Yambohne, Zucchini und Zwiebeln
  • Obst wie Ananas, Apfel, Aprikose, Avocado, Banane, Birne, Beeren, Cantaloupe, Datteln, Feigen, Granatapfel, Grapefruit, Honigmelone, Kochbanane, Kaki, Kirsche, Kiwi, Limette, Lychee, Mango, Mandarine, Mispel, Nektarine, Orange, Papaya, Pfirsich, Pflaume, Pomelo, Quitte und Zitrone
  • Kräuter und Gewürze wie Basilikum, Blüten, Bohnenkraut, Dill, Ingwer, Kapern, Knoblauch, Korianderblätter, Kräutersalz, Kurkuma, Lorbeerblätter, Majoran, Meerrettich, Minze, Muskatblüte, Nelken, Oregano, Petersilie, Rosmarin, Salz (Meersalz, Steinsalz), Safran, Salbei, Schnittlauch, Thymian, Vanille, Zimt und Zitronengras
  • Fette und Öle wie Avocadoöl, Kokosöl, Krillöl, Lebertran, Olivenöl, Rindertalg und Schmalz
  • Außerdem Weinessig, Fruchtessig,  Kokosflocken,-raspeln,-mehl,-essig, Maca und Marone
  • Getränke wie Kokosmilch, Kombucha, Mineralwasser, Tee und Wasserkefir

 

Wir haben für dich einen praktischen AIP-Lebensmittel-Guide zum Abspeichern oder Ausdrucken vorbereitet. Du erhältst ihn gratis hier.

Möchtest du noch mehr über die Ursprünge des AIP erfahren?

Dann habe ich hier noch ein paar interessante Links für dich. Die nachfolgenden Personen haben mit ihren Arbeiten die Entwicklung des Autoimmunprotokoll (AIP) in seiner derzeitigen Form maßgeblich beeinflußt. Sie alle sind international anerkannte Wissenschaftler, erfolgreiche Publizisten und zum Teil selbst Autoimmunerkrankte. Auf ihren Blogs und in ihren Büchern findest du enorm viele Informationen rund zum Thema Ernährung und Autoimmunerkrankungen.

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