Fleisch im AIP – Warum ein verantwortungsvoller Fleischkonsum zum AIP gehört

Die unverzichtbare Rolle von Fleisch im AIP und die Bedeutung von Qualität und Herkunft für eine artgerechte Ernährung


Dieser Text zur Bedeutung von Fleisch im AIP ist ein Auszug aus unserem Buch „Das Autoimmunprotokoll Praxishandbuch Band 2: Die Eliminationsphase“.


Fleisch ist seit Millionen von Jahren ein wichtiger Teil der menschlichen Ernährung und nicht nur unsere nächsten Verwandten unter den Hominiden, die Schimpansen, jagen und verzehren Fleisch. Man darf also davon ausgehen, dass ein Verlangen nach tierischer Nahrung schon sehr lange in unserer Genetik verankert ist. Einst brachte der Klimawandel in Afrika unsere frühen Vorfahren dazu, ihre bis dahin rein pflanzliche Ernährung durch die wertvollen Überreste von Aas zu ergänzen. Das energiereiche Knochenmark und die Proteine aus den Fleischresten machten unsere Urahnen schnell satt und versorgten sie zugleich mit wertvollen Nährstoffen. Mit der Entwicklung von Werkzeugen und Waffen waren unsere Vorfahren schließlich selbst in der Lage Tiere zu erlegen – und sie nutzten ihre neuen Fähigkeiten. Immer größere Beutetiere lieferten fortan regelmäßig nicht nur reichlich Kalorien, sondern auch leicht verdauliche Proteine von hoher biologischer Wertigkeit. Dieser Wandel in der Ernährung war ein wirklich bedeutsamer Schritt für die Entwicklung der gesamten Menschheit.

Fleisch machte unsere Urahnen intelligenter, sozialer und kommunikativer

Für die Verdauung einer kalorienarmen Pflanzenkost mussten unsere Urahnen viel Energie und Zeit investieren. Da blieb schlicht keine Energie für den Luxus eines größeren Gehirns übrig. Wir erinnern uns: Etwa 20 Prozent unseres gesamten Energiebedarfs gehen heutzutage auf das Konto des Gehirns.

Erst die gute kalorische Versorgung durch den Verzehr von Fleisch, Innereien und tierischen Fetten machte den Weg frei für die kontinuierliche Höherentwicklung unseres Gehirns. Die Evolution belohnte den regelmäßigen Fleischverzehr mit einer fortdauernden, globalen Expansion einer ganzen Gruppe von Hominiden, bis hin zum modernen Menschen und unserer eigenen Existenz.

Bei der letzten Ausbreitungswelle unserer Vorfahren aus Afrika wurde der Verzehr von Fleisch sogar überlebensnotwendig. In den Regionen der Welt, die saisonal oder dauerhaft gar keine pflanzliche Nahrung bereitstellten – also überall dort, wo es jahreszeitliche Winter oder gar Dauerfrost gab – konnte sich der Mensch trotz aller Widrigkeiten behaupten. Durch die vollständige Verwertung aller essbaren und anderweitig nutzbaren Teile seiner Beutetiere überlebte der Mensch nicht nur, er wurde sogar zur dominierenden Spezies auf der Erde.

In der weiterführenden Geschichte der Menschheit hatte Fleisch stets einen hohen Stellenwert. Eine erfolgreiche Jagd sicherte zunächst einmal das Überleben – nicht nur des Jägers, sondern der gesamten Sippe. Der Fleischkonsum förderte soziale Strukturen und Arbeitsteilung. Da die Frauen immer mehr Zeit und Energie in die Versorgung des Nachwuchses investieren mussten, waren die Jäger zum Teilen ihrer Beute gezwungen. Die Abhängigkeit vom Fleisch förderte auch die Entwicklung der Sprache. Sowohl für die koordinierte Jagd in der Gruppe als auch für die notwendige Überlieferung von Erfahrung und Wissen musste der Mensch seine kommunikativen Fähigkeiten verbessern.

Tiere als spirituelle Kraft und Lebensader

Der regelmäßige Verzehr von Fleisch stellt einen wichtigen Schritt zur Entwicklung der menschlichen Zivilisation dar. Noch heute decken die letzten existierenden Naturvölker mehrheitlich den Hauptteil ihres Energiebedarfs aus tierischen Quellen.

Unsere frühen Vorfahren wertschätzten die Tiere ihrer Umwelt. Sie waren spirituelle Kraft und Lebensader zugleich. Die steinzeitlichen Felsmalereien in den französischen Höhlen von Chauvet und Lascaux zeigen in beeindruckender Weise die vielschichtigen Beziehungen der Menschen vor mehreren zehntausend Jahren zu den Tieren ihrer Umwelt.

Unterernährung durch Fleischmangel

Die Abhängigkeit von tierischen Nahrungsquellen für das nackte Überleben nahm mit der Etablierung des Ackerbaus deutlich ab. Die sich entwickelnde Viehzucht ermöglichte auch eine zunehmend planbare Versorgung mit tierischen Produkten. Mensch und Nutztier entwickelten dabei eine enge Beziehung. Ochse oder Pferd und Bauer arbeiteten gemeinsam auf dem Feld. Mensch und Vieh teilten sich den Wohnraum und die Nahrung. Im Winter wärmten sie einander. Wer vor 5000 Jahren ein tierisches Produkt nutzte oder konsumierte, hatte zuvor sehr wahrscheinlich einen direkten Kontakt mit dem dazugehörigen Tier.

Zu dieser Zeit war vor allem ein lebendes, gesundes und kräftiges Nutztier ein wertvoller Besitz. Entsprechend wurde es gut versorgt und gut behandelt. Fleisch kam eher als Wildbret auf den Tisch und stammte von ausgewachsenen Tieren mit kräftiger Muskulatur und arttypischem, kräftigen Geschmack. Doch aus dem einstigen Recht zur freien Jagd für jederman wurde im Verlauf des Mittelalters endgültig ein Privileg der herrschenden Schichten. Das führte in unseren Breiten zu einer flächendeckenden Abhängigkeit der Menschen von der Getreideproduktion.

Zwar stieg die Zahl der Nachkommen kontinuierlich an, doch die vielen Menschen litten zunehmend an Unterernährung. Das Getreide lieferte trotz vieler Kalorien nur sehr wenige Nährstoffe. Die Folgen waren verheerend. Durch Mangelernährung und Hunger verkürzte sich die Lebenserwartung der einfachen Bevölkerung deutlich. Im 17. Jahrhundert zeigte sich die Abhängigkeit vom Getreide mit besonderer Dramatik, als in Europa Millionen von Menschen aufgrund von Klimaschwankungen und den daraus resultierenden Missernten verhungerten.

Fleischkonsum heute in Deutschland und Europa

Auch die beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts führten zu Hunger und Unterversorgung. Die industrielle Tierhaltung war die agrarpolitische Antwort des 20. Jahrhunderts auf den Proteinbedarf einer rasant wachsenden Nachkriegsbevölkerung. Der Fleischverzehr pro Kopf stieg allmählich wieder an.

Durch spätere EU-Agrarsubventionen, zum Beispiel für den Futtermittelanbau und Stallneubauten, wurde die Entwicklung der Massentierhaltung gefördert, durch die der Mensch sich zunehmend von seinen Nutztieren entfremdete. Bis heute werden in Europa mehr als 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche nur dafür benötigt, Futter für die Tiere der Intensivhaltung anzubauen.

Für eine artgerechte Weidehaltung wäre dieser Anbau überflüssig. Mit der Technifizierung der Landwirtschaft brauchte es das gesunde Tier als Arbeitskraft nicht mehr. Produkte von und aus Nutztieren standen nun im Fokus. Damit wurden die Bedürfnisse der Tiere immer weiter in den Hintergrund gedrängt. Das führte zu teilweise unerträglichen Zuständen in der Intensivtierhaltung, unter denen die Tiere nicht mehr gesund aufwachsen und leben können.

Aus Fleisch wurde eine abstrakte und gesichtslose Ware. Zuvor auf einen maximalen Ertrag hin gezüchtet, dürfen viele Nutztiere nur noch so lange leben, bis sie den Zenit einer profitablen Produktion oder ein optimales Schlachtgewicht erreicht haben. Als aufgeklärter Verbraucher sollte man wissen, was das für die Tiere bedeutet. Männliche Kücken von Legehennen, die später keine Eier legen könnten und auch nicht als Masthähnchen taugen, werden gleich nach dem Schlüpfen getötet. Ein Masthuhn darf immerhin 40 Tage leben. Schweine erreichen ihr Schlachtgewicht nach etwa 6 Monaten. Lämmer werden zwischen 2 und 12 Monaten geschlachtet. Das helle, zarte Kalbfleisch stammt von Tieren, die nicht älter als 8 Monate sein dürfen. Dagegen wird das Fleischrind im Alter von 18-24 Monaten geschlachtet.

An dieser Entwicklung war und ist auch der Verbraucher nicht unbeteiligt. Natürlich müssen Landwirte auch von ihrer Arbeit leben können. Bei der Tierhaltung gibt es daher immer auch eine notwendige Rendite. Diese wurde bisher mehr durch effiziente und weniger durch artgerechte Haltungsbedingungen realisiert und orientiert sich an den Erlösen auf dem freien Markt. Hier kommen wir als Verbraucher ins Spiel. In den vergangenen Jahrzehnten wurde vor allem zartes, helles, mageres, schwach aromatisches und billiges Fleisch nachgefragt.

Im Gegensatz zu diesen Kundenwünschen hat Fleisch von älteren Nutztieren, äquivalent zum Wild, einen arttypisch aromatischen Geschmack. Es zeichnet sich durch eine intensive Fleischfärbung und eine feste Struktur aus. Genauso wie bei gut trainierten Menschen, ist auch beim Tier die beanspruchte Muskulatur kräftig entwickelt. Sie hat viele eisenhaltige Pigmente und ein festes Bindegewebe.

Die extensive Aufzucht und Haltung von Tieren – über einen langen Zeitraum, mit artgerechtem Futter und großzügigem Auslauf – kostet mehr Geld und verlangt einen höheren Preis vom Verbraucher. Minutensteak, Braten oder Innereien – wofür entscheiden wir uns als verantwortungsbewusste Konsumenten? Die praktische Beantwortung dieser Frage bestimmt letztlich über Wohl oder Übel in der modernen Tierhaltung. Dieser Verantwortung müssen wir uns bewusst sein und gerecht werden.

Heute, im 21. Jahrhundert, ist der Konsum von Fleisch leider nicht mehr uneingeschränkt gesund. Ausschlaggebend sind Qualität und Herkunft der Produkte. Kranke Tiere aus der Massenhaltung können nicht dasselbe wohlschmeckende und nährstoffreiche Fleisch liefern, wie es artgerecht gehaltene oder wilde Tiere tun. Statt dessen überladen uns Fleischprodukte aus der Intensivtierhaltung mit entzündungsfördernden Omega–6–Fettsäuren und Antibiotika–Rückständen.

Erschreckend wenige Konsumenten wissen heutzutage noch über die Herkunft und Verarbeitung ihrer täglich verzehrten Nahrungsmittel bescheid. Wo und unter welchen Bedingungen das Tier lebte, dass zur aktuellen Mahlzeit beigetragen hat, fragen noch zu wenige und auch nur besonders engagierte und verantwortungsbewußte Verbraucher nach. Das muss sich schon allein aus Gründen der Ethik deutlich ändern. Nicht zuletzt entscheidet es aber auch über unsere eigene Gesundheit.

Leider ist besonders in Deutschland die Akzeptanz eines entsprechend höheren Preises für tierische Produkte aus Grünfütterung und Weidehaltung noch viel zu gering. Als Verbraucher entscheiden wir mit unserem Kaufverhalten ganz unmittelbar über die Lebensbedingungen unserer heutigen Nutztiere. Fleisch und Innereien in höchster Qualität sind unschlagbar nährstoffreiche und gesunde Nahrungsmittel. Fleischprodukte aus intensiver Massentierhaltung haben damit aber nichts gemeinsam.


Das Cover vom Autoimmunprotokoll Praxishandbuch Band 2: Die Eliminationsphase

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Dieser Text stammt aus dem Buch „Das Autoimmunprotokoll Praxishandbuch Band 2: Die Eliminationsphase“. Dort findest du noch mehr Informationen zur artgerechten Ernährung mit dem Paleo-Autoimmunprotokoll (AIP), der Ernährung für Personen mit Autoimmunerkrankungen. Jetzt erhältlich.

Gesünder.Besser.Leben.


Weidefleisch ist die artgerechte Proteinquelle im AIP

Bei der Durchführung des Autoimmunprotokolls bist du für die Zeit der Eliminationsphase auf tierische Proteinquellen angewiesen. Alle lohnenden pflanzlichen Eiweißlieferanten und deren notwendigen Kombinationen sind ausgeschlossen. Ein kurzes Rechenbeispiel bringt die Problematik auf den Punkt.

Eine Frau mit einem Körpergewicht von 50 kg könnte ihren täglichen Mindestbedarf an Protein zwar rechnerisch mit dem Verzehr von zwei Kilogramm gekochtem Broccoli decken, hätte dann aber immer noch kein ausgeglichenes Verhältnis aller lebensnotwendigen (essentiellen) Aminosäuren. Diese Frau käme noch auf vergleichbar viel Eiweiß bei ähnlich hohen Verzehrmengen von Knoblauch oder Grünkohl. Selbst wenn man hier noch versuchte klug zu kombinieren und zu ergänzen, so wäre diese Vorgehensweise weder zu empfehlen noch wäre sie gesund.

Neben Fisch und Meeresfrüchten sind Fleisch und Innereien von artgerecht gehaltenen und gesunden Tieren die optimalen Lieferanten von vollständigen Proteinen. Sie liefern dir alle essentiellen Aminosäuren sowie Vitamin B12 und Hämeisen. Das kann kein pflanzliches Produkt. Innereien haben im Vergleich zu allen anderen natürlichen Nahrungsmitteln die höchste Nährstoffdichte. Darüber hinaus gibt es nur wenige andere Produkte, die vergleichbar nährstoffreich sind wie rotes Fleisch. Es ist damit eine der besten natürlichen Nahrungsquellen für deine Regeneration und langfristige Gesundheit.

Verwende nur Fleisch von hoher Qualität

Zumindest für die Zeit der Elimination von Nahrungsmitteln ist Fleisch im AIP also unverzichtbar. Für uns Menschen sind Fleisch und ganz besonders Innereien artgerechte Nahrungsmittel von allerhöchster Güte. Doch um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Qualität und Ursprung tierischer Produkte entscheiden über deren gesundheitlichen Wert. Die Standards der Grünfütterung und Weidehaltung garantieren nicht nur jedem Nutztier die höchste Lebensqualität und beste Gesundheit, sie sind auch für dich Garanten eines gesundheitsfördernden und erstklassigen Nahrungsmittels.


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2 thoughts on “Fleisch im AIP – Warum ein verantwortungsvoller Fleischkonsum zum AIP gehört”

  1. Das ist der beste und informativste erklärende Artikel, den ich bisher in einem Absatz gelesen habe. Man kann sich diese Infos aus verschiedenen Quellen auch zusammensuchen, gar keine Frage, aber das kostet Nerven und Zeit. Da ist es wunderbar, das es jemand geschafft hat und einem zuvor kam. Herzlichen Dank für die Mühe!!!
    Liebe Grüße
    Nicole

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