Hier ist ein Schema zum Einflussbereich der Schilddrüse abgebildet.

In diesem Artikel erfährst du, was eine Hashimoto-Thyreoiditis ist, welche Symptome auf sie hinweisen und wie man sie diagnostiziert.

 

Darüber hinaus bekommst du Informationen über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Hashimoto und worauf du als Betroffene/r ganz besonders achten solltest.

 

Was ist eine Hashimoto-Thyreoiditis?

 

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um die weltweit häufigste Autoimmunerkrankung. Das betroffene Organ ist die Schilddrüse. Mediziner nennen sie Glandula thyroidea.

Obwohl schätzungsweise 30 Prozent der Weltbevölkerung an einer Schilddrüsenerkrankung leiden, sind die meisten davon nicht diagnostiziert. Auch in Deutschland wird Hashimoto durch mangelnde Beachtung und entsprechend unzureichende Diagnostik häufig erst spät erkannt.

Die Schilddrüse – klein aber mächtig.

 

Hier ist ein Schema zum Einflussbereich der Schilddrüse abgebildet.

Ganz unscheinbar umschließt die Schilddrüse deine Luftröhre. Sie liegt direkt unterhalb des Kehlkopfes.

Von dort aus übernimmt die Schilddrüse die Kontrolle über deinen Stoffwechsel. Diese Funktion hat sehr weitreichenden Einfluss auf dein Wohlbefinden und dein Ausmaß an Energie.

Neben der Steuerung deines Calciumhaushalts ist die Schilddrüse noch an zahlreichen weiteren Körperfunktionen beteiligt. Die oben stehende Grafik gibt einen Überblick über die Vielfalt ihrer Einflussnahme.

Bildet deine Schilddrüse zu wenig regulierende Hormone…

…dann verlangsamt sich dein Stoffwechsel. Dies macht sich in Form von Gewichtszunahme, schnellem Frieren, Müdigkeit, Gedächtnisschwäche, depressiven Verstimmungen, vermehrtem Haarausfall, chronischer Verstopfung, verminderter Potenz und Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe bemerkbar.

Arbeitet deine Schilddrüse übermäßig stark…

… dann wird dein Körper mit Gewichtsverlust reagieren. Auffällig starkes Schwitzen, Unruhe, ein beschleunigter Puls und Durchfälle sind weitere Symptome.

Aus den beschriebenen Symptomen lässt sich bereits erahnen, dass die Diagnose einer Schilddrüsenerkrankung nicht ganz einfach ist.

Nimmt sich ein Arzt zu wenig Zeit für ein ausführliches Anamnesegespräch und konzentriert sich dann auch noch ausschließlich auf Standardparameter im Blutbild, dann bleibt eine Hashimoto-Thyreoiditis schnell unentdeckt.

In der Folge erleben Betroffene oft eine jahrelange quälende Suche nach der Ursache ihrer Symptome.

Häufig werden sie dabei nicht ernst genommen. Nicht selten werden sie sogar wegen Depressionen an einen Psychologen verwiesen.

Es lohnt sich also, mehr über die Schilddrüse zu erfahren und ihre Funktionsweise zu verstehen. Auf diese Weise kannst du deine eigene gesundheitliche Situation vielleicht besser einschätzen und die richtigen Fragen stellen.

Wie wird die Schilddrüse selbst gesteuert und wie steht sie mit anderen Organen in Verbindung?

 

Hier erfährst du leicht verständlich wie der Regelkreis deiner Schilddrüse funktioniert.

Du solltest jetzt in jedem Falle weiterlesen! Mit dem folgenden Basiswissen kannst du verstehen was bei einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse eigentlich passiert.

Im ersten Schritt werden zunächst die normalen Abläufe und Funktionen im Regelkreis der Schilddrüse erklärt. Nachfolgend erfährst du an welchen Punkten eine Autoimmunerkrankung diese Abläufe stört.

Der nachfolgende Textabschnitt erläutert die nebenstehende Grafik.

Diese Grafik veranschaulicht auf leicht verständliche Weise wie die Schilddrüse funktioniert und wie sie mit anderen Organen in Verbindung steht.
Diese Grafik veranschaulicht auf leicht verständliche Weise wie die Schilddrüse funktioniert und wie sie mit anderen Organen in Verbindung steht. GRÜN = Stimulation, ROT = Hemmung

Benötigt dein Körper zur Regulation des inneren Gleichgewichtes mehr Schilddrüsenhormone, dann wird in deinem Gehirn die entsprechende Steuerzentrale aktiviert. Diese Hirnregion nennt man Hypothalamus.

Der Hypothalamus setzt TRH frei. Das steht für Thyreotropin- freisetzendes Hormon. TRH stimuliert die Hirnanhangdrüse (Hypophyse).

Die Hirnanhangdrüse schüttet daraufhin den Botenstoff TSH aus. TSH ist das Kürzel für Thyreoidea-stimulierendes Hormon.

TSH regt die Schilddrüse schließlich zur Produktion von Schilddrüsenhormonen an.

Die Schilddrüse bildet jetzt hauptsächlich (zu etwa 93 Prozent) das noch inaktive Hormon Tetrajodthyronin (T4).

Dieses gelangt auf dem Blutweg zum großen Teil zur Leber. Hier wird es in das wirksame Hormon Trijodthyronin (T3) umgewandelt und gelangt erneut über den Blutweg schließlich zum Einsatzort, der Zelle.

Der Transport der Schilddrüsenhormone erfolgt in gebundener Form an einem Trägereiweiß. Weniger als 1 Prozent des T4 und T3 liegen ungebunden im Blut vor. Man nennt sie daher freies T4 und freies T3.

Neben der Leber sind hauptsächlich der Darm aber auch weitere Gewebe wie Muskulatur und Nerven an der Umwandlung von T4 zu T3 beteiligt. Diese interagierenden Organe haben eine besondere praktische Bedeutung für die Behandlung einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse.

Trijodthyronin (T3) wird zu einem geringen Teil auch direkt von der Schilddrüse freigesetzt und kann ohne Umwege zum Wirkort transportiert werden.

Das vermehrt im Kreislauf kursierende T3 drosselt schließlich die Schilddrüsen-stimulierende Wirkung von Hypothalamus und Hirnanhangdrüse. Bei ausreichend hoher Menge T3 gibt es also eine negative Rückkopplung an dein Gehirn und die Schilddrüse regelt ihre Aktivität herunter bis sie erneut gebraucht wird.

Wie entsteht eine Hashimoto-Thyreoiditis?

 

Um eine Autoimmunerkrankung zur Ausprägung zu bringen müssen 3 Faktoren zusammenkommen.

Der alles entscheidende Punkt ist die genetische Disposition. Nur wenn du von deinen Eltern die spezifischen Genvarianten geerbt hast, kannst du an Hashimoto erkranken. Dieser Umstand erklärt die familiäre Häufung von Autoimmunerkrankungen.

Sind nahe Verwandte von dir bereits erkrankt musst du davon ausgehen, dass du zumindest genetisch vorbelastet bist. Daraus lässt sich jedoch noch nicht ableiten, ob du eine Autoimmunerkrankung entwickeln wirst und welche.

Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto basieren auf 3 grundlegenden Ursachen. Nur wenn alle Faktoren zusammentreffen wird die Erkrankung ausgeprägt.
Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto basieren auf 3 grundlegenden Ursachen. Nur wenn alle Faktoren zusammentreffen wird die Erkrankung ausgeprägt.

Zur genetischen Veranlagung müssen noch auslösende Faktoren hinzukommen, die sogenannten Trigger.

Das können beispielsweise radioaktive Strahlung, Umweltgifte wie Chlor oder Quecksilber und Nahrungsbestandteile wie Gluten sein.

Abschließend spielt die Gesundheit deines Darmes eine weitere wesentliche Rolle.

Eine erhöhte Durchlässigkeit des Darms ermöglicht das Eindringen von krankheitsauslösenden Substanzen. Dieser Zustand wird als erhöhte intestinale Permeabilität oder auch Leaky Gut bezeichnet.

Das regelmäßige Eindringen von Pathogenen über die Darmwand kann schließlich zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems führen. Dadurch werden schwerwiegende Entzündungen im Körper ausgelöst.

In einem dauerhaft belasteten Immunsystem kann es auch zu Fehlern kommen. Dazu gehören beispielsweise Verwechslungen bei der Identifikation von bedrohlichen körperfremden Substanzen und körpereigenen Zellen. Einen solchen Angriff des Immunsystems auf körpereigenes Gewebe nennt man eine Autoimmunreaktion.

Was passiert bei einer Hashimoto-Thyreoiditis in deinem Körper?

 

Du weist bereits, dass es sich bei Hashimoto um eine Autoimmunerkrankung handelt. Dein Immunsystem hält die Zellen deiner Schilddrüse also irrtümlich für krankmachendes Fremdmaterial.

Die alarmierten Autoantikörper (AAk) deines Immunsystems können an unterschiedlichen Stellen in den Regelkreis deiner Schilddrüse eingreifen.

Typischerweise findet man bei Hashimoto-Erkrankten zwei unterschiedliche AAk-Typen, die Thyreoidea-Peroxidase-Autoantikörper (TPO-AK) und die Thyreoglobulin-Autoantikörper (TG-AK).

Sie sind bereits in einem sehr frühen Stadium der Krankheit nachweisbar, selbst wenn noch keine nennenswerten Symptome auftreten. Werden Autoantikörper frühzeitig erkannt, lassen sich die Ursachen ermitteln und gegebenenfalls eliminieren, bevor es zum Ausbruch einer Autoimmunerkrankung kommt. Die Höhe des Autoantikörper-Levels ist proportional zur Stärke des Autoimmunangriffes.

Um zu verstehen, wie die Autoantikörper deine Schilddrüsenfunktion schädigen, musst du noch ein kleines bisschen tiefer in den Regelkreis der Schilddrüse eintauchen. Du solltest jetzt unbedingt weiterlesen, denn mit diesem Grundlagenwissen wirst du im Anschluss sowohl Empfehlungen zur Diagnose von Hashimoto als auch zu möglichen Therapieansätzen nachvollziehen können.

Das Eiweiß Thyreoglobulin befindet sich in deinen Schilddrüsenzellen. Es bindet Jod aus deinem Blutkreislauf an die Aminosäure Thyrosin. Je nach Anzahl der dabei gebundenen Jodatome entstehen die Schilddrüsenhormone Tetrajodthyronin (T4, mit 4 Jodatomen) oder Trijodthyronin (T3, mit 3 Jodatomen).

Die Freisetzung der Jodatome zur anschließenden Bindung an Thyrosin erfolgt durch das Enzym Thyreoidea-Peroxidase.

Die fertigen Schilddrüsenhormone T3 und T4 werden in der Schilddrüsenzelle gespeichert, bis diese zur Freigabe stimuliert wird.

Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis werden deine Schilddrüsenzellen angegriffen. Die TG-AK vernichten dabei den Grundbaustein für die Herstellung der Schilddrüsenhormone, das Eiweiß Thyreoglobulin. Die TPO-AK richten sich gegen das an der Hormonbildung beteiligte Enzym Thyreoidea-Peroxidase.

Deine Schilddrüse wird versuchen, durch Neubildung von Gewebe den erlittenen Verlust auszugleichen. Erst wenn deine Autoimmunreaktionen bereits seit langem andauern und deine Schilddrüse deutlich an Gewebe verloren hat, werden sich messbare Veränderungen in den Standard-Laborwerten TSH, T4 und T3 zeigen. Dann hast du allerdings deine Autoimmunerkrankung schon vollständig ausgeprägt. Wenn du eine familiäre Vorbelastung hast lohnt es sich also, frühzeitig eine Kontrolle auf Schilddrüsen-Autoantikörper vornehmen zu lassen.

 

Hast du bereits Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion und nimmst ausschließlich ein Präparat zum Ausgleich des Hormonmangels, dann solltest du jetzt verstehen, dass deine Autoimmunreaktion damit nicht behandelt wird!

Vielmehr gleichst du nur den Mangel aus, der aus dem Angriff deines Immunsystems entsteht. Dieser Mangel wird sich fortsetzen, bis deine Schilddrüse so viel Gewebe eingebüßt hat, dass sie ihre Funktion gar nicht mehr erfüllen kann. Typischerweise wird also deine benötigte Hormonmenge mit den Jahren steigen. Aus einer ursprünglichen Ergänzung wird schließlich eine Abhängigkeit von der Einnahme der Schilddrüsenhormone.

Hashimoto tritt in zwei unterschiedlichen Verlaufsformen auf.

 

Bei der atrophen Form wird die Schilddrüse immer kleiner.

Die hypertrophe Form ist dagegen durch eine Gewebszunahme der Schilddrüse gekennzeichnet. Es kommt dabei zur charakteristischen Ausbildung eines Kropfes. Dieser wird auch Struma genannt.

Wie kam die Hashimoto-Thyreoiditis zu ihrem Namen?

 

Mediziner bezeichnen die Schilddrüse auch als Glandula thyroidea. Bei einer Thyreoiditis handelt es sich also grundsätzlich um eine Schilddrüsenentzündung.

Hakaru Hashimoto beschrieb mit seiner Dissertation aus dem Jahr 1912 erstmals die Symptome der nach ihm benannten Schilddrüsenerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis.
Hakaru Hashimoto, ca. 1912.

Der japanische Arzt Hakaru Hashimoto beschrieb im Jahr 1912 in seiner Doktorarbeit verschiedene krankhafte Gewebsveränderungen der Schilddrüse.

Er fasste diese unter der Bezeichnung »Struma lymphomatosa« zusammen. Eine Erklärung für diese Symptome hatte er noch nicht.

Mit seiner Doktorarbeit veröffentlichte Hakaru Hashimoto aber erstmals eine Beschreibung von Symptomen der chronischen, lymphozytären Thyreoiditis.

Ihm zu Ehren nennt man diese Erkrankung daher heute Hashimoto-Thyreoiditis.

 

Dieser Artikel wird in Kürze fortgesetzt!

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Hashimoto-Thyreoiditis – Hintergründe und Fakten einfach erklärt. Teil 1

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