Immunsystem stärken Teil 5 Hydrotherapie und Thermotherapie

Immunsystem stärken – Praktische Tipps zur Verbesserung deiner Immunabwehr


In dieser Artikelserie geben wir dir praktische Tipps zur natürlichen Verbesserung deiner Abwehrkräfte anhand konkreter Beispiele aus den Bereichen Ernährung, Bewegung, Lebensstil und Achtsamkeit. Hier erfährst du, wie du durch den Einsatz von Hydrotherapie und Thermotherapie dein Immunsystem stärken kannst.


Hydrotherapie und Thermotherapie – Geschätzte und bewährte Naturheilverfahren

Schon im vorchristlichen Rom schätzte man die wohltuende Wirkung des Wassers und richtete öffentliche Bäder ein. Dort wechselte man zwischen unterschiedlich warmen und feuchten Räumen – Tepidarium, Caldarium, Laconium und Frigidarium. Auch das orientalische Hamam entstand schon im 8. Jahrhundert am Jordan und das Rasulbad entwickelten die alten Ägypter.

In Deutschland führte man die Wassertherapie im 17. Jahrhundert ein. Weitläufig bekannt wurde sie hierzulande aber erst 200 Jahre später. Aus dieser Zeit haben sich unter anderem die Kaltwassertherapien zur Abhärtung des bayerischen Priesters Sebastian Kneipp erhalten. Der erste medizinische Lehrstuhl für Hydrotherapie im deutschsprachigen Raum wurde schließlich 1899 an der Universität Wien eingerichtet.

Die Thermotherapie mit ihren vielfältigen Anwendungen von Kälte und Wärme hat ebenfalls weitreichende Wurzeln. Heiße Quellen nutzt der Mensch vermutlich schon seit vielen tausend Jahren. Die Sauna verbindet Elemente aus Hydrotherapie und Wärmetherapie. Erste schriftliche Überlieferungen für ihre Nutzung sind fast 1000 Jahre alt.

Eine Hüttensauna hoch oben in den Bergen. Durch Temperaturreize lassen sich Blutgefäße trainieren, der Stoffwechsel anregen und das Immunsystem stärken.

Im Gegensatz dazu steht die Ganzkörperkältetherapie, bei der Rheuma- und Schmerzpatienten in Kammern bei –110 °C ausharren. Sie wurde erst in den 80er Jahren in Japan entwickelt.

Hydrotherapie für Herz, Nerven und Immunsystem

Damals wie heute findet die Hydrotherapie ihre Anwendung in der Behandlung akuter oder chronischer Beschwerden, aber auch in der Prävention und Regeneration. Dabei wirkt vor allem der Temperaturreiz des Wassers regulierend auf das Herz-Kreislauf-System sowie auf das vegetative Nervensystem.

In der praktischen Anwendung bedient man sich warmer, heißer, wechselwarmer und kalter Reize. Sie lösen Stress im Körper aus und zwingen ihn zur Thermoregulation. Zum Einsatz kommen Tücher – etwa als Wickel, Kompressen oder Packungen – und fließendes Wasser, Dampf oder Eis. Besonders die Gewöhnung an den Kältereiz, weitläufig als Abhärtung bezeichnet, soll einer Schwächung des Immunsystems durch fehlende Umweltreize entgegenwirken.

Auch wenn wissenschaftliche Belege für einen Einfluss auf das Immunsystem noch weitgehend ausstehen, sind viele Mediziner und Anwender von einer positiven Wirkung der Abhärtung überzeugt. So sinkt beispielsweise die Anfälligkeit für Erkältungen und grippale Infekte deutlich. Es gibt auch erste wissenschaftliche Erkenntnisse, die einen Anstieg der weißen Blutkörperchen nach regelmäßigen Kaltwasseranwendungen zeigen.


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So kannst du die Hydrotherapie ganz einfach in deinen Alltag integrieren

Wassertreten nach Kneipp

Der Wechsel von Wärme- und Kältereiz trainiert die Venen und hilft gegen Krampfadern. Kneippkuren tragen aber auch dazu bei die Anfälligkeit für Erkältungen und grippale Infekte zu mindern.

Das Bad zuhause

Auch im eigenen Heim kannst du wohltuende Bäder machen. Die Wassertemperatur sollte dabei zwischen 35 °C und 38 °C liegen. Durch die Wärme lassen sich Angst und Schmerzen reduzieren. Wir kennen das von der Wärmflasche auf dem schmerzenden Bauch oder dem warmen Bad für eine Schwangere in den Wehen.

Mit ätherischen Zusätzen und Kräutern lassen sich weitere Wirkungen erzielen. So wirkt Fichtennadel beispielsweise ausgleichend bei nervösen Störungen, Erschöpfung und Atemwegserkrankungen. Kamille ist entzündungshemmend und krampflösend. Lavendel fördert die Durchblutung der Haut.

Thermalbad

Thermalwasser ist ein Quellwasser aus mehreren tausend Metern Tiefe mit einer natürlicher Temperatur von über 20 °C. Sein Mineralstoffgehalt ist hoch und entscheidet über die Form der Anwendung als Wärmebehandlung oder Trinkkur.

Wasser mit einem hohen Anteil an Kalzium- und Magnesium-Hydrogencarbonat gilt als entzündungshemmend. Seine Wärme wirkt außerdem schmerzstillend. Der regelmäßige Besuch eines Thermalbads ist besonders heilungsfördernd bei chronischen Erkrankungen, Rheuma und Allergien.

Infobox Radon–Heilbad | Das Wasser einiger Thermalquellen in Deutschland enthält das Edelgas Radon. Es gelangt über die Lunge in den Blutkreislauf, dringt anschließend in die Körperzellen ein und zerfällt dort unter Freisetzung radioaktiver Strahlung. Daraus resultierende entzündungshemmende und schmerzlindernde Effekte können besonders bei starken, chronischen Erkrankungen wie Rheuma die Beschwerden für mehrere Wochen bis Monate lindern. | Die Dauer und Häufigkeit einer Radonanwendung sollte aber wohl überlegt sein. Beim Zerfall von Radon entstehen die Schwermetalle Polonium, Wismut und Blei. Sie gelten als DNA-schädigend für das Lungengewebe. Nach dem Rauchen gilt Radon als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Radon-Heilbäder eigenen sich also nicht zu Wellnesszwecken.

Kalte Duschen und Güsse

Eine kalte Dusche regt die Durchblutung an. So kommt man besonders am Morgen gut in Schwung – ähnlich wie beim Sport.

Kalte Güsse sind auch bestens zum Abhärten geeignet. Führe das Wasser zuerst über Arme und Beine, erst dann über den Rumpf. Wenn die Kälte schmerzt ist Schluss! Auch wenn es zunächst viel Überwindung kostet, hinterher wirst du dich angenehm wach und frisch fühlen.

Regelmäßigkeit zahlt sich auch hier aus. So wirst du dich schnell an den Kältereiz gewöhnen und ihm auch immer länger standhalten. Das ist nicht nur gesund, es macht auch stolz.

Diese Grundregeln der Abhärtung solltest du unbedingt beachten

  • Abhärten bitte nur in gesundem Zustand. Bei akuten und schweren Infektionen, Verletzungen, Entzündungen oder Blutungen kannst du dir mehr schaden als nützen.
  • Beginne behutsam und steigere dich langsam.
  • Wiederhole die Anwendungen regelmäßig und mache sie langfristig zu einem festen Bestandteil deines Alltags.
Kältereize können das Immunsystem stärken. Es gilt jedoch behutsam vorzugehen und sich allmählich abzuhärten. Ein unvorbereiteter Sprung ins eiskalte Wasser ist nicht empfehlenswert.

Thermotherapie – Wärme und Kälte gegen Entzündungen und für ein gestärktes Immunsystem

Wärme entspannt die Muskulatur und regt den Stoffwechsel an. Die Versorgung der Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen wird verbessert, Abbauprodukte effizienter abtransportiert. Wie wir aus der Fieberreaktion des Körpers wissen, kommt auch das Immunsystem in Schwung. Diese vielfältigen wohltuenden Wirkungen macht man sich sowohl in der Therapie als auch im Wellnessbereich zunutze.

Der therapeutische Einsatz von Kälte – auch Kryotherapie genannt – dient überwiegend zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung. Blutgefäße verengen sich, Lymphflüssigkeit wird verdrängt und die Aktivität von Nerven reduziert. Wohl jeder von uns hat schon einmal eine Schwellung durch lokales Kühlen reduziert.

Die neuesten Verfahren der Ganzkörperkältetherapie gehen da etwas weiter. In einer kleinen Kammer ertragen Rheuma- und Arthrosepatienten in Badebekleidung, Mütze und Handschuhen für mehrere Minuten eine Temperatur von –110 °C. Danach sind sie beweglicher und deutlich schmerzbefreiter.

So kannst du die Thermotherapie ganz einfach in deinen Alltag integrieren

Sauna

Wer Entspannung und Ausgeglichenheit sucht und dabei effizient etwas für Herz, Kreislauf und Immunsystem tun möchte ist mit einem Saunabesuch bestens beraten.

Einem Fieber ähnlich wird beim Saunieren die Körpertemperatur um ein bis zwei Grad erhöht. Das aktiviert die Zellen des Immunsystems im Blut und verbessert so die Abwehr von Krankheitserregern.

Aufgrund der hohen Lufttemperaturen in der Sauna wird auch die Durchblutung der Schleimhäute in den Atemwegen angeregt. Sie produzieren daraufhin vermehrt Sekret mit Abwehrstoffen gegen Keime.

Die wechselnden Temperaturreize trainieren außerdem die Muskulatur der Blutgefäße und regen die Herztätigkeit an – genug Gründe, um regelmäßig zu saunieren.

Infobox | Tipps für richtiges Saunieren | Zuerst wird geduscht. | Es folgt eine Hitzephase von 8–15 Minuten. Neulinge starten im Liegen auf der mittleren Bank bei etwa 65 °C und richten sich dann in den Sitz auf, wobei der Kopf einer Temperatur von etwa 85 °C ausgesetzt wird. Mit mehr Erfahrung kannst du gleich auf der oberen Bank starten, wo es bis zu 95 °C heiß ist. | Zur Abkühlung geht es zuerst an die frische Luft um Haut und Atemwege herunter zu kühlen. Es folgt die Anwendung von kaltem Wasser über einen Schlauch, von den Füßen zum Herzen hin. Zur Erfrischung kannst du ein kurzes Bad im Tauchbecken nehmen. Den Abschluss bildet dann ein warmes Fußbad. | Jetzt ist es Zeit zum Ruhen, etwa gleich lang wie die verbrachte Zeit in der Hitze. | Den gesamten Ablauf kannst du bis zu dreimal wiederholen. | Gleiche den Verlust an Elektrolyten durch das starke Schwitzen mit mineralstoffreichem Wasser wieder aus.

Barfußlaufen, Tau- und Schneetreten

Barfußlaufen lohnt sich auch bei kalter Witterung. Achte aber darauf, deine Füße vorher durch Socken und nachher durch ein Fußbad gut aufzuwärmen.

Luft- und Sonnenbaden

Ein Aufenthalt im Freien in frischer Luft und Sonnenschein, dazu möglichst leicht bekleidet, ist wohltuend und anregend zugleich.

Gegen Gicht, Rheumatismus, nervösen Gesichtsschmerz und andere Leiden leistet ein solches Luftbad oft mehr, als alle Arznei. Alten Leuten, schwachen Kindern, Rekonvaleszenten, asthmatischen Männern, bleichsüchtigen Frauenzimmern u. s. w. ist nichts erquickender und wohltätiger, als der täglich mehrstündige Aufenthalt an einem sonnigen, vor Winden geschützten Plätzchen, wo selbst schon bei uns, im nördlichen Deutschland, in den Monaten Februar und März, sowie noch im Oktober und November an heitern Tagen die Sonnenstrahlen recht erwärmend sind. Solche schwächliche Personen fühlen sich, nachdem sie sich eine bis zwei Stunden leicht gekleidet, der Sonne exponiert haben, sehr gestärkt. Am Ufer der See kann man, nachdem man einige Minuten gebadet, gleichfalls ein schönes Luftbad nehmen, indem man, wie dies bei uns viele Badende an menschenleeren Plätzen der Ostsee noch jetzt wohl tun, hier, nachdem man vom Badediener gut abgetrocknet worden, leicht mit dem Hemde bekleidet, einige Minuten spazieren geht, sich darauf nackend im warmen Sande wälzt, dann wieder in die See springt und dieses, zwei bis dreimal wiederholt. Ein solches Badeverfahren ist bei Gesunden jedem andern vorzuziehen, indem der bedeutend wohltätige Eindruck auf das Nervensystem, den das plötzliche Tauchen in die See erregt, hier öfter als einmal bei jedem Baden stattfindet.

Georg Friedrich Most, Enzyklopädie der Volksmedizin (1843)

Auch wenn beim Lesen dieses Zitates wohl jeder ins Schmunzeln kommt, so liegt doch sehr viel Wahrheit in diesem Text. Wir alle können von mehr Zeit in der Natur und in der Auseinandersetzung mit den Elementen profitieren.

Für uns persönlich ist ein morgendlicher Spaziergang barfuß durch den Wald, kombiniert mit dem Schwimmen im kühlen See und einem anschließenden Sonnenbad der perfekte Start in den Tag. Wenn auch du die Möglichkeiten dazu hast, dann nichts wie raus in die Natur!


Naturheilverfahren wie die Hydrotherapie und die Thermotherapie können dir dabei helfen dein Immunsystem zu stärken. Wir hoffen, dich mit unseren Anregungen ins Tun zu bringen und wünschen dir viel Spaß beim Ausprobieren. Gehe achtsam mit dir und deinen Ressourcen um – für beste Gesundheit.

Weitere Artikel aus der Serie « Immunsystem stärken »

Teil 1 Ernährung

Teil 2 Stressmanagement

Teil 3 Intervallfasten

Teil 4 Schlaf

Teil 6 Vitamin D Part 1

Teil 6 Vitamin D Part 2

Teil 7 Bewegung

Teil 8 Schluss mit Rauchen und Dampfen


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Porträt Sabrina und René Bergmann
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