Mein persönlicher Erfahrungsbericht nach 3 Monaten mit dem Autoimmunprotokoll (AIP) – Würde ich es weiterempfehlen?

 

Für 12 Wochen habe ich mich den strengen Regeln des Autoimmunprotokolls (AIP) unterworfen. In meiner Ernährung gab es kein Gluten, keine Milchprodukte, keine Eier, auch keine Nachtschattengewächse, Hülsenfrüchte oder Nüsse.

Gemüse bildet die Grundlage im AIP. Obst ist ebenfalls wichtig, wegen des hohen Kohlenhydratanteils aber mengenmäßig untergeordnet.
Gemüse bildet die Grundlage im AIP.

Warum ich das auf mich genommen habe? Der Grund heißt Hashimoto Thyreoiditis. Ich lebe mit dieser Autoimmunerkrankung der Schilddrüse bewußt seit 20 Jahren.

Alle meine behandelnden Ärzte waren sich bisher einig, Hashimoto wäre keine große Sache und man könne ohnehin nichts dagegen tun.

Mit der täglichen Einnahme von Schilddrüsenhormonen ließen sich meine Symptome gut behandeln und mein Leben würde weitgehend normal verlaufen.

Tatsächlich habe ich das über die vergangenen zwei Jahrzehnte auch weitgehend so empfunden. Es gab für mich kaum einen Grund, die Aussagen meiner Ärzte zu hinterfragen.

Doch dann kam der Tag, an dem ich erstmals vom Autoimmunprotokoll (AIP) erfuhr. Ärzte und Pharmazeuten behaupteten, es gäbe einen Zusammenhang zwischen Ernährung, Immunsystem und Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto.

Doch noch viel mehr, sie stellten mit dem AIP ein Konzept vor, dass Autoimmunerkrankungen in die Remission führen können sollte.

Sie hatten mich am Haken! Zum ersten Mal in meinem Leben fing ich an, mich mit den Hintergründen meiner Autoimmunerkrankung zu beschäftigen.

 

Ich lernte, dass ich mit meinem bisherigen Krankheitsverlauf viel Glück hatte. Ich lernte auch, dass das auf meine ärztliche Beratung nicht ganz zutraf.

Richtig wütend wurde ich aber als ich verstanden hatte, dass meine Hashimoto Thyreoiditis bisher noch gar nicht behandelt wurde. Ganz im Gegenteil. Sie schreitet voran, von Jahr zu Jahr und zerstört schleichend meine Schilddrüse.

Die täglichen Hormonen gleichen nur aus, was meine Schilddrüse nicht mehr aus eigener Kraft schafft. Zum ersten Mal verstand ich, warum meine Dosis über die Jahre stetig steigen musste.

Der nächste Schreck fuhr mir in die Glieder, als ich lernte, dass ich mit der Ausprägung weiterer Autoimmunerkrankungen rechnen muss, wenn ich nichts unternehme.

Ein kurzer Gedanke an meine nächsten Verwandten reichte, um meine Befürchtungen zu untermauern: Hashimoto, Morbus Bechterew, Morbus Crohn, Rheumatoide Arthritis, Colitis ulcerosa, alles vorhanden!

Eine gesunde Ernährung war mir schon lange wichtig.

 

Erdmandel-Porridge mit geraspelter Zucchini, Kochbanane, Orange und Blaubeeren.
Erdmandel-Porridge mit geraspelter Zucchini, Kochbanane, Orange und Blaubeeren.

Schon vor dem AIP entsprachen meine Gewohnheiten nicht der deutschen Standard-Ernährung. Gluten hatte ich bereits eliminiert. Unverarbeitete Lebensmittel dominierten mein tägliches Essen. Ungesunde Ausnahmen gab es eher selten.

So erschienen mir die Vorgaben des Autoimmunprotokoll nicht so unglaublich herausfordernd. Der Entschluss war also schnell gefaßt: ich probiere es aus!

Das AIP soll man mindestens 30 Tage anwenden. Ich wollte es richtig machen, auf Nummer sicher gehen und habe mich gleich für 90 Tage entschieden.

Meine Hoffnung? Zumindest erwartete ich eine ganz allgemeine Verbesserung meines Gesundheitsstatus. Der Olymp wäre die Beseitigung aller Symptome meiner Autoimmunerkrankung, also die vollständige Remission. Das war und ist ein sehr hoher Anspruch!

Hand aufs Herz. Was hat das AIP konkret gebracht? Konnte es meine Erwartungen erfüllen?

 

Fühlbar hat sich meine Lebensqualität mit dem Autoimmunprotokoll deutlich verbessert! Ich brauche weniger Schlaf und fühle mich belastbarer. Dadurch habe ich mehr Energie für den Alltag, den Beruf und vor allem für meine Familie. Auch meine Wochenenden sind um einige Stunden länger geworden. Das ist toll! 😀

Ein Spaziergang in der Natur mit einem guten Gespräch hilft zu entschleunigen.

Mit dem AIP habe ich gelernt, noch mehr in mich hinein zu horchen. Damit erkenne ich nun schneller, wann ich einen Gang herunter schalten muss. Ich gönne mir mehr Zeit für Regeneration und Erholung. Das tut sehr gut.

Vor allem habe ich erkannt, dass ich nur für andere da sein kann, wenn es mir selbst gut geht. Meine Bedürfnisse stehen also nicht mehr hinten an. Das macht mich auch gelassener und stressresistenter.

Im amerikanischen Sprachraum liest man immer wieder von Brain Fog. Vor dem AIP habe ich nicht verstanden, was damit eigentlich gemeint ist. Erst jetzt kann ich wahrnehmen, dass auch ich zeitweise das Gefühl habe, nicht richtig da zu sein. Der Kopf ist dann wie in Watte gehüllt und es fällt schwer einen klaren Gedanken zu fassen.

Diesen Zustand habe ich vor dem AIP gar nicht bemerkt. Aber so ging es mir ja auch mit meinem Schlafbedürfnis. Jetzt haben sich meine Wahrnehmung und meine Konzentrationsfähigkeit deutlich verbessert.

Meine Verdauung ist deutlich besser und auch meine Haut ist jetzt wieder rein. Wer würde das nicht lieben?

Während des Autoimmunprotokoll habe ich mein Sportprogramm reduziert, um mein Immunsystem weiter zu entlasten. Ich war aktiv aber habe keine intensiven Workouts mehr gemacht. Weder habe ich Kalorien gezählt noch bin ich hungrig gewesen. Trotzdem ist mein Körperfettanteil um 2 Prozent gesunken, und das bei einem konstanten Körpergewicht von 51 Kg.

Last but not least, ich habe keine Migräne mehr! Jeder der darunter leidet wird verstehen, was das für ein Seegen ist.

Messbar haben sich meine Schilddrüsenwerte so verbessert, dass ich erstmals nach 20 Jahren meine Hormondosis reduzieren konnte. Dieser Trend setzt sich hoffentlich fort. Mir ist aber klar, dass dieser Prozess sehr langwierig ist und noch viel mehr Zeit benötigt.

Meine Schilddrüsen-Autoantikörper haben sich leider zum Teil erhöht. Für einige Werte lässt sich eine mögliche Veränderung gar nicht abschätzen, da meine behandelnden Ärzte entweder die Messung der Antikörper ganz verweigerten oder die exakte Bestimmung der Werte nicht angeordnet haben.

So liegen mir aus der Zeit vor dem AIP zum Teil nur Daten in Wertebereichen vor. Erst die neueren Untersuchungen zeigen jetzt konkrete Werte. Da werde ich also erst in den nächsten Monaten Trends erkennen können.

Bei aller verhaltenen Hoffnung waren meine Ergebnisse der Autoantikörper-Untersuchungen nach 12 Wochen AIP aber eher enttäuschend. Ich gehöre also nicht zu den Glücklichen, die nach wenigen Wochen bereits ihre Autoimmunreaktion nahezu stoppen konnten.

Mein Mineralstoffprofil vor dem Start des Autoimmunprotokoll (AIP).
Mineralstoffprofil, eine Woche vor Start des AIP.
Mineralstoffprofil 9 Wochen nach Start des Autoimmunprotokoll (AIP)
Mineralstoff-Profil, 9 Wochen nach Start des AIP.

Damit heißt es für mich weiter nach den Auslösern zu forschen und geduldig zu sein.

Dank meiner regelmäßigen Blutuntersuchung auf Mineralstoffe und Schwermetalle konnte ich rechtzeitig feststellen, dass mit dem hohen Fischkonsum während des AIP meine Quecksilberwerte sehr stark angestiegen sind. Das könnte meine Autoimmunreaktion befeuert haben und die entsprechenden Blutwerte erklären.

Raubfische wie diese Makrele enthalten viel Quecksilber.
Raubfische wie diese Makrele enthalten viel Quecksilber.

Die nährstoffreiche Ernährung der vergangenen Wochen hat aber auch dafür gesorgt, dass sich auf natürliche Art viele meiner Mineralstoff-Werte im Blutbild deutlich verbessern konnten.

So sind bei mir die Level an Selen, Calcium, Kalium, Phosphor, Chrom und Mangan alle in sehr gute Bereiche gestiegen.

Für meine erniedrigten Magnesium- und Zinkwerte musste ich allerdings ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

10 Gründe, warum sich das Autoimmunprotokoll für mich gelohnt hat.

 

  1. Mein Schilddrüsenhormon konnte ich um 10% reduzieren.

  2. Es gibt keine Migräne – Attacken mehr.

  3. Meine Verdauung hat sich verbessert.

  4. Mein Blutbild zeigt eine bessere Mineralstoff-Versorgung.

  5. Ich brauche weniger Schlaf und habe mehr Energie.

  6. Meine Haut ist reiner.

  7. Ich leide deutlich weniger unter Brain Fog.

  8. Im Alltag bin ich stressresistenter.

  9. Meine Konzentrationsfähigkeit hat sich verbessert.

  10. Mein Körperfettanteil ist gesunken.

Resümee

 

Ich möchte nichts beschönigen. Das Autoimmunprotokoll ist eine Ausschlussdiät. Man muss also verzichten können!

 

Nahrung ist plötzlich nicht mehr überall verfügbar, denn die meisten angebotenen Speisen sind tabu. Schnell mal ein belegtes Brot kaufen, ins Restaurant gehen oder einen Lieferservice anrufen, im Sommer draußen ein Eis essen gehen, das alles gibt es nicht im AIP. Da bleibt nur sehr wenig Raum für Spontanität!

AIP-Brot mit Salat, Lachs und Avocado-Creme.
AIP-Brot mit Salat, Lachs und Avocado-Creme.

Auch wächst die Unsicherheit gegenüber nicht selbst zubereitetem Essen. Die fehlende Kontrolle über Inhaltsstoffe und Qualität angebotener Speisen weckt unter Umständen sogar Angst vor möglichen Reaktionen des Körpers.

Damit geht die Unbeschwertheit im Umgang mit Nahrung außerhalb der eigenen vier Wände schnell verloren. Diese Einschränkung der Lebensqualität kann auf Dauer auch belastend werden.

Zu den praktischen Hürden zählt ganz besonders das Reisen. Hier fällt die Umsetzung des AIP sehr schwer, ist aber machbar.

Auch für den ganz gewöhnlichen Alltag mit Beruf und Familie ist das Autoimmunprotokoll eine Herausforderung. Ohne die volle Unterstützung des Partners oder der ganzen Familie ist es schwer.

Man braucht ein ordentliches Zeitmanagement, viel Planung und eine möglichst gute Arbeitsteilung.

Trotz aller Einschränkungen kann ich das AIP weiterempfehlen und werde selbst noch eine ganze Weile im Protokoll bleiben.

 

Auch wenn ich meine Hashimoto Thyreoiditis (noch) nicht deutlich verbessern konnte, so habe ich gesundheitlich doch schon in so vielerlei Hinsicht vom Autoimmunprotokoll profitiert.

Darüber hinaus hat sich aber auch mein ganzes Verständnis von Nahrung noch einmal grundlegend verändert. Mir ist jetzt noch bewußter was alles in industriell verarbeiteten Lebensmitteln steckt.

Mein Horizont hat sich erweitert, indem ich lernte Leberwurst und Sauerkraut selbst herzustellen oder eine schmackhafte Torte ohne Getreide, Zucker und Eier zu machen. Ich koche jetzt Blumenkohlreis und Zoodles, stelle Wasserkefir her oder backe getreidefreies Brot. Ich mache mein eigenes Müsli. Selbst an milchfreiem Käse habe ich mich probiert.

Selbstgemachte AIP Leberpastete ohne Zusatzstoffe
Meine erste selbstgemachte Leberpastete war ein voller Erfolg!

Ganz allgemein habe ich für mich nicht nur den Spaß am Kochen entdeckt, sondern finde auch Entspannung dabei. Außerdem ist das gemeinsame Kochen aller Familienmitglieder zu einem festen Ritual geworden.

Glücklich macht mich auch mit anzusehen, mit welchem Spaß und Eifer sich jetzt meine kleine Tochter am Kochen beteiligt. Und im Anschluss isst sie dann mit Genuss ein durch und durch gesundes Essen. Fabelhaft!

Auch meine Sensorik hat sich stark verändert. Es ist unglaublich, wie süß mir mittlerweile Karotten vorkommen. Eine getrocknete Feige oder Dattel bringt meine Sensoren für Süßes fast zum Bersten.

Sauerkraut auf Rotkohlbasis
Mein Sauerkraut auf Rotkohlbasis.

Die unbeschwerte Aufnahme gesunder Fette ist eine wundervolle Erfahrung. Auch ich hing viel zu lange in der Low-Fat-Falle fest. Damit ist es glücklicherweise vorbei. Jetzt kann ich Avocados oder Kokos- und Olivenöl nach Herzenslust essen und bin rundum gesättigt und glücklich.

Den Geruch von Kaffee empfinde ich jetzt als extrem sauer, aber nicht unangenehm. Milch zu trinken kann ich mir dagegen gar nicht mehr vorstellen. Der Geruch allein ist schon sehr unangenehm.

Für mich ist klar, ich werde dauerhaft auf Gluten verzichten. Nüsse und fermentierte Milchprodukte werde ich langfristig wieder in meine Ernährung einführen. Voraussetzung ist natürlich, dass ich sie vertrage.

Zoodles habe ich erst während des AIP für mich entdeckt.
Zoodles habe ich erst während des AIP für mich entdeckt.

Nach der Eliminationsphase des AIP konnte ich bereits herausfinden, dass ich sehr sensibel auf Eier reagiere.

Diese Erkenntnis war anfangs ziemlich hart. Jetzt habe ich mich damit arrangiert und vermisse sie nicht mehr so sehr.

Auch Nachtschattengewäche werde ich nicht wieder einführen. Ich habe früher schon bemerkt, dass sie mir nicht gut tun.

Insgesamt essen ich heute aber viel mehr Gemüse und eher weniger Obst. Auch das bekommt mir unheimlich gut.

Du hast nichts zu verlieren, außer deinen Symptomen!

 

Ob man das Autoimmunprotokoll als befreiend oder belastend empfindet ist sicher nicht zuletzt eine Frage des Leidensdruckes und der persönlichen Motivation. Wer mit Multipler Sklerose im Rollstuhl sitzt, wird für die Fähigkeit wieder gehen zu können gerne auf einige Nahrungsmittel verzichten.

Die Bewertung gesundheitlicher Verbesserungen oder der eigenen Lebensqualität liegen sehr in der individuellen Betrachtung. Meiner Meinung nach lohnt sich aber ein Versuch mit dem AIP für jeden, der eine Autoimmunerkrankung hat und sich nicht damit abfinden möchte.

 

Mein Rat an dich: nimm deine Gesundheit in die eigenen Hände!

 

Unterstützung von ärztlicher Seite ist in Deutschland noch sehr rar. Informiere dich, lerne dazu, fordere deine Ärzte zu Erklärungen auf. Zeige, dass dir deine Gesundheit wichtig ist und das du dich nicht mit einer mittelmäßigen Behandlung zufrieden gibst.

Dabei wirst du auch schnell feststellen, dass Wissen auf dieser Welt nicht gleichmäßig verteilt ist. Auch Ärzte haben unter Umständen einen sehr begrenzten Blickwinkel und manchmal auch weniger Wissen als ihre Patienten. In diesem Falle bist du auf dich allein gestellt und musst selbst herausfinden, was gut für dich ist.

Das Autoimmunprotokoll bietet eine hervorragende Chance dazu!

Alle meine Wochenberichte zum AIP kannst du hier lesen: AIP im Praxistest.

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10 Gründe, warum sich das Autoimmunprotokoll für mich gelohnt hat.

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